Die Logistik bewegt die gesamte Wirtschaft
Die wirtschaftliche Entwicklung der vergangenen Jahre hat zur Bildung komplexer Unternehmensnetzwerke und Güterstromsysteme geführt - dabei haben die Globalisierung von Beschaffung, Produktion und Absatz sowie die Arbeitsteilung zugenommen. Zusätzlich wurde die Komplexität der internationalen Logistiksysteme in vielen Bereichen durch fortschreitende Produktvariationen und -differenzierungen verstärkt. Hinzu kommt, dass sich viele Unternehmen auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren und ihre Fertigungstiefen reduzieren. Die effiziente Steuerung der so entstandenen weltweiten Güterströme hat dabei sowohl zu einer höheren betriebswirtschaftlichen, als auch zu einer höheren volkswirtschaftlichen Bedeutung der Logistik geführt.
Logistikmarkt in Deutschland auf Spitzenposition
Am Beispiel des deutschen Logistikmarktes lässt sich die gesamtwirtschaftliche Bedeutung der Logistik sehr gut verdeutlichten. Gerade in Deutschland ist die Logistik in den letzten Jahren, angetrieben von der EU-Osterweiterung, stetig gewachsen. Außerdem ist Deutschland mit 82 Millionen Konsumenten der größte Absatzmarkt Europas.
Der Logistikmarkt hat in Deutschland hinter der Automobilindustrie und dem Gesundheitswesen mit dem dritten Platz eine Spitzenposition in der Volkswirtschaft erreicht. Im Jahr 2006 wurde ein Umsatz von 170 Milliarden Euro erreicht. Dabei haben 2,5 Millionen Menschen bei Logistikdienstleistern sowie Industrie- und Handelsunternehmen gearbeitet. Die klassischen Logistikbereiche Transport, Lagerwirtschaft und Umschlag haben den größten Anteil am Gesamtlogistikumsatz ausgemacht.
Neben Logistikdienstleistern und der internen Logistik der Industrie- und Handelsunternehmen kann zur Gesamtwirtschaftskraft der Logistik die Logistik-Zulieferwirtschaft gerechnet werden. Zu den Zulieferprodukten zählen Fahrzeuge, Förder- und Lagertechnik, IT-Systeme, Immobilien, Betriebs- und Treibstoffe sowie dazugehörige Dienstleistungen. Zusammen mit diesen Zulieferprodukten liegt die Gesamtwirtschaftskraft der Logistik bei 240 Milliarden Euro und drei Millionen Beschäftigten. Fasst man darüber hinaus die Logistik-abhängige Beschäftigung in fernen Wirtschaftsbereichen hinzu, z. B. in der Verkehrsinfrastruktur und der Bauwirtschaft, kommen nochmals ca. 1,6 Millionen Arbeitsplätze hinzu [1].
Die enge Beziehung von Wirtschaftswachstum und Logistik
Für Produktivitäts-, Wachstums- und Beschäftigungssteigerungen in der Gesamtwirtschaft ist die Mobilität eine entscheidende Voraussetzung. Dabei lässt sich der Zusammenhang zwischen Wirtschaftswachstum und der Nachfrage nach Güterverkehrsleistung durch verschiedene Effekte erklären. Sie machen die steigende Bedeutung des volkswirtschaftlichen Sektors der Güterverteilung deutlich [2]:
Gütermengeneffekt
Lange Zeit galt, dass in hoch entwickelten Volkswirtschaften immer weniger Gütermengen für das makrologistische System erzeugt werden und das Transportaufkommen daher langsamer ansteigt als das Wirtschaftswachstum.
Heute ist aufgrund der zunehmenden zwischenbetrieblichen Arbeitsteilung durch verstärktes Outsourcing Outsourcing in einigen hoch entwickelten Ländern von einer gegenläufigen Entwicklung auszugehen. Die Transportintensität, also die Transportleistung je produzierter Mengeneinheit steigt für viele Güterarten an. Einzelne Teile oder Komponenten des Produktes werden auf unterschiedlichen Stufen der Wertschöpfungskette, z. B. durch Zwischenwerksverkehre, mehrfach transportiert [3].
Güterstruktureffekt
In hoch entwickelten Volkswirtschaften steigt der Anteil hochwertiger Konsum- und Produktionsgüter an. Der Anteil an Massengütern hingegen stagniert oder ist sogar rückläufig. Die Güterverteilung verschiebt sich somit hin zu höherwertigen Gütern, die schnell versendet werden müssen.
Wegen der relativ niedrigen Transportkosten wird dabei eher der Straßengüterverkehr [Straßengüterverkehr] begünstigt. Bahn und Binnenschifffahrt sind eher negativ betroffen [3].
Logistikeffekt
Logistiksysteme werden stetig weiter optimiert. Supply Chain Management Supply Chain Management , die produktionssynchrone Anlieferung mit Just-in-Time Just-in-Time - Konzepten, Verzicht auf Lagerhaltung und weltweites Outsourcing sind dafür nur einige Beispiele. Die Anwendung moderner logistischer Konzepte hat aber auch Auswirkungen auf den volkswirtschaftlichen Sektor der Güterverteilung.
Denn die logistische Neuorientierung der Industrie- und Handelsunternehmen hat die Anforderungen an das System der Güterverteilung verändert. Der Straßengüterverkehr kann auf diese Anforderungen relativ flexibel und gut reagieren. Eisenbahn und Binnenschifffahrt hingegen haben es schwerer. Den Luftverkehr wiederum profitiert von zeitkritischen Transporten [3].
Integrationseffekt
Mit der Schaffung größerer Wirtschaftsräume entstehen internationale, grenzüberschreitende Logistiksysteme. So führen z. B. die Europäische Union und die Bestimmungen der World Trade Organization World Trade Organization (WTO) zu einer Globalisierung Globalisierung des Sektors der Güterverteilung.
Mit der Ausdehnung von Wirtschaftsräumen steigen dabei auch der grenzüberschreitende Warenaustausch und die zu überwindenden Entfernungen in den Logistiksystemen an.
Der Integrationseffekt beschreibt somit die zunehmenden Anforderungen an den volkswirtschaftlichen Sektor der Güterverteilung durch die Schaffung größerer Wirtschaftsräume und grenzüberschreitender Logistiksysteme [3].
Literatur-Empfehlungen
Top 100 in European Transport and Logistics Services | Klaus / Kille 2007
Logistiksysteme | Pfohl 2004
Fundamentals of Logistics Management | Grant / Lambert / Stock / Ellram 2005
Quellen
[1] Top 100 der Logistik | Klaus / Kille 2006
[2] Logistiksysteme | Pfohl 2004
[3] Transportwirtschaft | Aberle 2002






