Die Logistik in Russland
Russland ist von der Fläche her das größte Land der Welt. Es erstreckt sich über elf Zeitzonen mit zum Teil vollkommen unterschiedlichen geografischen, kulturellen und klimatischen Gegebenheiten. Bürokratische Hürden und eine mangelnde Infrastruktur erschweren die Logistikprozesse in Russland dabei ebenso wie fehlender Wettbewerb, ungenügende Transparenz und geringes Logistik-Know-how. Nichtsdestotrotz will sich Russland als Drehachse zwischen Asien und Europa etablieren.
Geografische Herausforderungen in Russland
Russland ist mit einer Fläche von 17,1 Millionen km² das größte Land der Welt. Es umfasst 11 Zeitzonen und erstreckt sich von der Ostsee bis zum Pazifik. Dabei liegen ¾ des Landes in Asien. Aufgrund der enormen Ausdehnung des Landes gibt es in den verschiedenen Landesteilen zum Teil vollkommen unterschiedliche geografische, kulturelle und klimatische Voraussetzungen.
Trotz schwieriger Bedingungen will sich Russland als ein wichtiges Drehkreuz im Asien-Europa-Verkehr und zum Teil auch auf der Nord-Süd-Achse von Nordeuropa Richtung Indien etablieren. Die größten Herausforderungen stellen dabei die mangelhafte Infrastruktur und fehlende moderne Logistiktechnologien dar. Außerdem wird die Entwicklung durch bürokratische Hürden verlangsamt, z. B. bei Zollabfertigungen. Die Logistikinfrastruktur soll dazu vor allem an den Knotenpunkten Moskau und Sankt Petersburg ausgebaut werden [1].
Russische Infrastruktur
Die Straßendichte ist mit 40 m Straße pro km² sehr gering. Dies ist unter anderem auf die in großen Teilen des Landes sehr geringe Bevölkerungsdichte zurückzuführen. Trotzdem wird der Großteil des Güterverkehrs zwischen Westeuropa und Russland über die Straße abgewickelt - im Transit über Polen und Weißrussland oder über die Nordroute via Polen und die Baltischen Republiken sowie über Finnland.
Ein wachsender Teil des Güterverkehrs geht auch über europäische Häfen wie z. B. Hamburg und weiter über Häfen der Baltischen Republiken, Finnlands und Nordrusslands nach Russland. Von dort aus wird die Fracht überwiegend per LKW und zum Teil auch per Bahn weiter befördert.
Das russische Schienennetz ist etwa 85.000 km lang und damit das zweitgrößte der Welt. Innerhalb Russlands macht der Schienenverkehr mit 83 Prozent den größten Anteil am Güterverkehr aus. Im Fokus des Schienengüterverkehrs steht zum einen der Transport zwischen Russland und Europa, zum anderen der Transitweg von Europa nach Asien über Russland [3, 4].
Dabei ist die transsibirische Eisenbahn besonders interessant. Durch sie kann beispielsweise die Beförderung von Gütern zwischen Pusan und Helsinki von ca. 47 Tagen auf dem Seeweg auf ca. 16 Tage reduziert werden. Das Potenzial der transsibirischen Eisenbahn wird auf etwa 300.000 TEU TEU pro Jahr beziffert. Allerdings kann sie ihre Vorteile derzeit nicht richtig ausspielen. Gründe hierfür liegen in der Tarifpolitik und dem Handling durch die russische Bahngesellschaft, bürokratischen Hürden - vor allem der Zollbehörden - sowie der Einführung der Mehrwertsteuer auf Transitleistungen.
Die Infrastruktur Russlands weist beträchtliche Rückstände bei Instandhaltung und Modernisierung auf. Fehlende multimodale Güterumschlagspunkte sowie die bestehenden Verkehrssysteme erzeugen zudem kaum Netzeffekte für Logistikdienstleister [5, 6].
Logistikanforderungen und -leistungsbereiche
Durch den russischen Wirtschaftsaufschwung ist die Nachfrage nach Transportleistungen enorm angestiegen. 2005 betrug das Marktvolumen für Logistik etwa 120 Milliarden US-Dollar. Durchschnittlich wird ein Wachstum von 16 Prozent prognostiziert. Insbesondere die Transporte zwischen Europa und Russland werden in nächster Zeit weiter zunehmen. Einen großen Anteil daran werden die Exporte, der in Russland reichlich vorhandenen Rohstoffe wie Erdöl und Gas, haben.
Der russische Logistikmarkt ist gekennzeichnet durch fehlenden Wettbewerb, geringe Transparenz und geringes Logistik-Know-how. Viele Unternehmen haben hohe Lager- und Transportkosten. Dem steht ein kontinuierlich steigender Outsourcing Outsourcing -Anteil in der Logistik gegenüber. Experten zufolge betrug dieser Anteil 2005 rund 45 Prozent. Aus diesem Grund werden daher mehr und mehr branchenspezifische und innovative Logistikkonzepte verlangt [3].
Russische Logistikdienstleister sind noch primär auf die Kernleistungen Transport und Lagerung ausgerichtet. Die Erweiterung um Mehrwertdienstleistungen wie Montageprozesse und Verpackung befindet sich erst im Anfangsstadium. Für die Kontrakt-Logistik Kontrakt-Logistik werden in Russland große Entwicklungspotenziale prognostiziert. Es existieren bereits Logistikdienstleister, die über den Warenumschlag hinaus Zusatzdienstleistungen wie z. B. Labeling, die marktspezifische Ausstattung mit Handbüchern sowie die Konvertierung von DVD-Playern auf russische Standards anbieten.
Ausländische Logistikdienstleister greifen insbesondere im KEP-Bereich Kurier-, Express- und Paket-Dienste in hohem Maße auf lokale Partner zurück, da die Erschließung des gesamten Landes mit eigenen Transportmitteln hohe Investitionen erfordert [5, 6].
Logistikzentren in Russland
Die wichtigsten Logistikzentren in Russland sind Moskau und Sankt Petersburg. Aber auch weitere Wirtschaftszentren wie Samara, Nishnij Nowgorod, Kasan, Jekaterinburg, Nowosibirsk und Rostow gewinnen aufgrund des Wachstums von Handel und Industrie in den Regionen als Logistikstandorte zunehmend an Bedeutung.
Die Regierung sieht gerade in dem Ausbau des Transport- und Logistiksektors die Chance, die Wirtschaft zu diversifizieren. Aus diesem Grund werden erhebliche Investitionen in die Erweiterung bestehender und die Etablierung neuer Logistikzentren getätigt. So investiert z. B. ein Moskauer Konsortium viele hundert Millionen Euro in den Aufbau einer ganzen Reihe von Logistikterminals [5].
Wichtige Logistikdienstleister
Die wichtigen russischen Logistikdienstleister sind STS Logistics, National Logistic Company (NLK), Russian Logistic Service, Gruppe Interterminal und Eurosib. Die wichtigsten ausländischen Logistikdienstleister in Russland sind DHL, Rewiko/Fiege Group, Militzer&Münch, Hellmann Worldwide Logistics und Schenker [5].
Literatur-Empfehlungen
Fundamentals of Logistics Management | Grant / Lambert / Stock / Ellram 2005
Quellen
[1] Handbuch Logistik Russland | Doborjginidze / Abelmann 2005
[2] The World Fact Book | Central Intelligence Agency 2007
[3] Handbuch Logistik Russland | Doborjginidze / Abelmann 2005
[4] European Conference of Ministers of Transport. Regulatory Reforms of Railways in Russia | OECD 2004
[5] Russland | Lichter 2006. In: Transport und Logistik | Bundesagentur für Außenwirtschaft (Hrsg.)
[6] DVZ Sonderbeilage - Russland | 2006. In: DVZ 60(2006)30



