Die Logistik in Westeuropa

Die Logistiksysteme Westeuropas werden weniger durch geografische Besonderheiten als durch den politischen Wandel geprägt, der mit der europäischen Erweiterung einhergeht. Dabei werden durch einheitliche Regelungen Transporte, die Lagerhaltung, die Verpackung und administrative Aufgaben wesentlich effizienter. Die Verkehrsnetze sind sehr gut ausgebaut - allerdings dehnen sich die durchschnittlichen Transportentfernungen durch die EU-Erweiterung zum Teil erheblich aus. Die Logistik in Westeuropa ist in immer stärkerem Maße durch Outsourcing-Aktivitäten betroffen, da Unternehmen die Logistik nicht mehr als ihr Kerngeschäft betrachten.

Geografische Herausforderungen in Westeuropa

Die Schaffung eines einheitlichen europäischen Marktes und die Einführung des Euros haben in Westeuropa signifikante Veränderungen bewirkt. Während die geografischen Gegebenheiten in Europa in den letzten 15 Jahren nahezu gleich geblieben sind, haben Umgestaltungen im logistischen Bereich zu höherer Effizienz beim Transport, der Verpackung und der Kennzeichnung geführt. Hier spielt die Reduzierung von Zollabwicklungsprozessen eine entscheidende Rolle. Zudem wurden technologische Verbesserungen in ganz Europa und nicht nur in einzelnen Ländern eingeführt. So werden z. B. Bestellprozesse sowie die Lagerbestandsführung Lagerbestand , Lagerhaltung Lagerhaltung und IT-Technologie immer weiter zentralisiert [1].
Aus geografischer Sicht ist die Straße von Gibraltar für Westeuropa besonders wichtig. Die Meerenge liegt zwischen Spanien im Norden und Marokko im Süden und verbindet das Mittelmeer mit dem Atlantik. Mit rund 300 Handelsschiffen täglich gehört sie zu den meist befahrenen Wasserwegen der Welt.

Kernländer für den Warenaustausch

Innerhalb der europäischen Länder findet der Warenaustausch mit hoher Intensität statt. Der europäische Luftfrachtexport wird dabei durch Nordamerika (ca. 30 Prozent) und den fernen Osten (ca. 28 Prozent) dominiert. Eine nicht zu vernachlässigende Rolle spielen zudem der nahe Osten, Afrika und der indische Subkontinent. Darüber hinaus verzeichnen auch die Exporte in die asiatischen Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion erhebliche Wachstumsraten - allein von 2004 bis 2006 waren es 44,6 Prozent [2].
Zu den wichtigsten Importeuren westeuropäischer Güter gehören vor allem die USA und China.

Westeuropäische Infrastruktur

Durch die Deregulierung Deregulierung der Transporte, optimale Routing Routing - und Planerstellungen und die Entwicklung von flächendeckenden Dienstleistungen sind europaweite Verkehrsnetze gewachsen. Dabei hat die Neuaufnahme einiger osteuropäischer Länder in die EU zur Folge, dass sich das bestehende Gleichgewicht von lokalen, regionalen und Langstrecken-Transporten verändert. Besonders die Anzahl der Langstrecken-Transporte nimmt erheblich zu [1].
Den stärksten Anstieg der Verkehrsleistung der letzten Jahre verzeichnet der Güterverkehr auf Straße und Schiene, dicht gefolgt vom Seeverkehr. Dabei entfällt auf den Straßenverkehr der mit Abstand größte Anteil des Güterverkehrs. 2005 war dieser etwa 4,25-mal höher als beim Eisenbahnverkehr und mehr als 10-mal höher als beim Binnenseeverkehr [2].
Der Schienenverkehr konnte europaweit kaum Marktanteile gewinnen und ist mit einem Anteil von 16 Prozent zweitrangiger Verkehrsträger. Allerdings stößt der zunehmende Straßengüterverkehr in den westeuropäischen Ländern an seine Leistungsgrenzen.

Logistikanforderungen und -leistungsbereiche

Das Outsourcing Outsourcing von Logistikaktivitäten ist in Westeuropa sehr verbreitet und gewinnt weiter an Popularität. Viele Unternehmen verstehen ihre Logistik nicht mehr als Teil des Kerngeschäfts und beauftragen dazu spezialisierte Logistikdienstleister. So haben bereits viele Industrieunternehmen Teile ihrer logistischen Standardleistungen wie Transport, Umschlag und Lagerung fremd vergeben. Neuerdings kommen aber immer mehr höherwertige Logistikdienstleistungen und die Kontrakt-Logistik Kontrakt-Logistik hinzu. Dies erklärt auch, warum die Bedeutung der Kontrakt-Logistik als strategisches Geschäftsfeld europäischer Logistikdienstleister weiter zunimmt. Der Anteil der Kontrakt-Logistik am Gesamtumsatz europäischer Logistikdienstleister ist dabei zwischen 2004 und 2006 von 53 auf 58 Prozent gestiegen. Experten schätzen die jährlichen Steigerungsraten für die Kontrakt-Logistik auf 10 bis 15 Prozent [3].
Internationale Logistikdienstleister bauen europaweite Service-Netzwerke aus und erweitern ihren Kompetenzbereich durch grenzüberschreitende Allianzen wie die Logistics World Alliance.
Westeuropäische Postkonzerne betreiben in vielen europäischen Ländern sehr effiziente Netzwerke für die Distribution von Briefen und Paketen sowie für Bankgeschäfte. Zudem stehen die europäischen Postgesellschaften kurz vor einer Liberalisierung. Es wird erwartet, dass neue Wettbewerber ihren Marktanteil im nationalen Briefgeschäft von derzeit 5 auf 30 Prozent im Jahr 2015 steigern werden. Der intensivste Briefverkehr Westeuropas findet in Belgien und der Schweiz statt. Grund dafür ist die hohe Banken- bzw. Behördenkonzentration in diesen Ländern.
Der westeuropäische Markt für Kurier-, Express- und Paketdienste Kurier-, Express- und Paket-Dienste ist durch eine hohe Konzentration und intensiven Wettbewerb gekennzeichnet. Durch Differenzierung, Kundenausrichtung und das Anbieten von Mehrwerten sollen Wettbewerbsvorteile gegenüber Konkurrenten erlangt werden. Während der Markt von Experten in den vergangenen Jahren durchweg als Wachstumsmarkt eingeschätzt wurde, ist dies inzwischen nicht mehr durchgängig der Fall. Trotz der immensen Preiskämpfe werden jedoch für das kommende Halbjahr noch moderate Preissteigerungen erwartet. Der Trend westeuropäischer Anbieter geht zur Erweiterung der Angebote durch die Erschließung neuer osteuropäischer Märkte.

Logistikzentren in Westeuropa

Die größten Logistikmärkte in Westeuropa sind Deutschland und Frankreich, gefolgt von Großbritannien, Italien und Spanien.
Eine der maßgeblichen Veränderungen der letzten Jahre war der Aufbau zentraler Distributionszentren. Einerseits können damit größere Märkte bedient werden, andererseits können durch eine bessere Vernetzung und eine europaweit einheitlich koordinierte Strategie Kosten- und Serviceverbesserungen erreicht werden.
Eine Vielzahl dieser Logistik- und Distributionszentren wurde zentral in Europa in den Benelux-Ländern und dem Ruhrgebiet in Deutschland errichtet. Weitere Logistikzentren haben sich rund um die großen See- und Flughäfen angesiedelt.

Wichtige Logistikdienstleister

Die größten Logistikdienstleister in Westeuropa sind u. a. DHL, Maersk, Schenker, TNT sowie Kühne & Nagel.

Literatur-Empfehlungen

Fundamentals of Logistics Management | Grant / Lambert / Stock / Ellram 2005

Quellen

[1] Strategic Logistics Management | Stock / Lambert 2001
[2] Luftverkehr in Europa im Jahr 2004 | de la Fuente Layos 2006
[3] Der Logistikmarkt 2010. Veränderungen im Markt der Logistikdienstleistungen, Konsequenzen, Handlungsbedarfe und Vorgehensweise für LDLs | Bücheler
/ Eke / Gerbl 2006

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