Die Logistik in Nordeuropa

Nordeuropa zeichnet sich durch eine sehr geringe Bevölkerungsdichte aus. Dabei liegen die Ballungszentren meist in den südlichen, Zentraleuropa zugewandten Teilen der Länder. Logistische Knotenpunkte sind daher auch überwiegend in diesen Regionen anzutreffen. Nicht zu unterschätzen ist die Brückenfunktion der nordeuropäischen Logistiksysteme. Vor allem Transittransporte nach Russland sind von erheblicher Bedeutung. Die Verkehrsnetze Nordeuropas sind sehr modern und leistungsfähig; dem Transport auf der Straße kommt eine besondere Bedeutung zu.

Geografische Herausforderungen in Nordeuropa

Mit nur knapp 25 Millionen Bewohnern ist die Bevölkerung relativ gering, technologisch ist Nordeuropa aber hoch entwickelt. Dabei sind die südlichen, Zentraleuropa zugewandten Teile der Länder wesentlich dichter besiedelt als die nördlicheren, weitgehend unbewohnten und mitunter schlecht erschlossenen Landesteile. Die Hauptverkehrsknoten befinden sich daher unweit der großen Hafenstädte Kopenhagen, Oslo, Göteborg, Stockholm und Helsinki im Süden Nordeuropas. An diesen Knotenpunkten befinden sich zudem die großen Frachtflughäfen.
Aufgrund der geografischen Lage nehmen die nordischen Länder eine logistische Brückenfunktion zwischen Zentral- und Osteuropa bzw. Russland ein [1].

Kernländer für den Warenaustausch

Die wichtigsten Importpartner der nordischen Länder sind die zentraleuropäischen Länder Deutschland, Frankreich, Niederlande sowie Großbritannien, außerdem China und die USA. Zu den wichtigsten Exportpartnern gehört neben den USA und den oben genannten zentraleuropäischen Ländern vor allem Russland. Darüber hinaus betreiben die nordeuropäischen Staaten auch untereinander einen regen Warenaustausch [1].

Nordeuropäische Infrastruktur

Die Staaten Nordeuropas verfügen über ein modernes und leistungsfähiges Straßennetz, insbesondere in den wirtschaftsstarken Regionen des Südens. Der Straßenverkehr hat daher besonders am nationalen Gütertransport einen großen Anteil - beispielsweise 59 Prozent aller Transporte in Schweden und 69 Prozent in Dänemark.
Aufgrund der geografischen Lage kommen außerdem den internationalen Schiffstransporten sowie dem kombinierten Verkehr Kombinierter Verkehr eine hohe Bedeutung zu. Dagegen spielt die Luftfahrt im Vergleich zu Zentraleuropa nur eine geringere Rolle, obwohl auch in diesem Bereich in der Vergangenheit Steigerungen zu beobachten waren [2, 3, 4].

Logistikanforderungen und -leistungsbereiche

Aufgrund der geografischen Brückenfunktion Nordeuropas dominieren Transittransporte weite Teile der nordischen Logistikbranche. Beispielsweise überwiegen in Finnland vor allem die Transittransporte nach Russland. Sie machen etwa 42 Prozent der finnischen Transporte aus. Zudem haben einige europäische Logistikdienstleister in Finnland Logistikzentren errichtet, die Kern- und Zusatzdienstleistungen für Güter im internationalen Transitverkehr von und nach Russland anbieten. Der Standort bietet den Vorteil, dass die langen Wartezeiten an den russischen Ostseehäfen in Kaliningrad und St. Petersburg vermieden und die Waren auf dem Schienenweg nach Russland eingeführt werden können.
50 Prozent der skandinavischen Industrieaktivitäten werden in einem Umkreis von 300 km um Göteborg ausgeführt. Mehr als 900 Unternehmen in Auslandsbesitz agieren dabei in einer Vielzahl unterschiedlicher Branchen. Dies führt dazu, dass in dieser Region eine besondere Ballung von TUL-Aktivitäten Transport, Umschlag, Lagerung zu beobachten ist. Der Hafen Göteborgs ist der größte Skandinaviens, der Flughafen handelt das größte Frachtvolumen Schwedens.
Die Ansprüche der hoch industrialisierten nordischen Staaten an Logistikdienstleistungen sind hoch. Ein qualitatives Angebot an effizienten, Ist-Basierten End-to-End-Lösungen wird vielfach vorausgesetzt. Dennoch ist der nordeuropäische Markt für Kontrakt-Logistik Kontrakt-Logistik noch sehr segmentiert, auch wenn derzeit einige Übernahmen und Fusionen stattfinden. Zum jetzigen Zeitpunkt erreichen beispielsweise die 20 größten Anbieter Finnlands lediglich einen Anteil von 42 Prozent des Kontrakt-Logistikmarktes. Zum Vergleich: in den USA erreichen die 10 größten Anbieter einen Anteil von 30 Prozent.
Während in allen industrialisierten EU-Staaten in den Jahren 2004 und 2005 ein Wachstum des Briefmarktes zu beobachten war, wurde in Dänemark und Schweden ein Rückgang festgestellt. Zudem ist die Öffnung der Briefmärkte bisher noch nicht in allen Staaten Nordeuropas gelungen. Während die Märkte in Finnland und Schweden komplett geöffnet wurden, gilt Norwegen noch als Beispiel des starken politischen Eingriffs. Im europäischen Vergleich haben die nordischen Länder dabei das höchste Preisniveau [2, 3, 4].

Logistikzentren in Nordeuropa

Die größten Logistikzentren Nordeuropas befinden sich in unmittelbarer Nähe zu den großen Häfen der Region. Aufgrund der bereits großen und weiter wachsenden Bedeutung der Schifffahrt investieren große Hafenbetreiber und Logistikanbieter vermehrt in Logistik- und Dienstleistungszentren in Hafennähe. Diese Investitionen erreichen vielfach hohe zweistellige Millionensummen.
Gerade in Schweden wird der Großraum Göteborg aufgrund seiner strategischen Lage und des wichtigsten Hafens Skandinaviens als das größte und beste Logistikzentrum der Region angesehen [2, 3, 4].

Wichtige Logistikdienstleister

Die wichtigsten Logistikanbieter Nordeuropas sind Dachser, DHL, DPD Nordic, DSV, Schenker, die schwedische Post, Stena, TNT und Volvo Logistics.

Literatur-Empfehlungen

Fundamentals of Logistics Management | Grant / Lambert / Stock / Ellram 2005

Quellen

[1] The World Fact Book | Central Intelligence Agency 2007
[2] Dänemark | Strohbach 2006. In: Transport und Logistik | Bundesagentur für Außenwirtschaft (Hrsg.)
[3] Finnland führend beim Transithandel nach Russland | Tippelt 2006. In: Transport und Logistik | Bundesagentur für Außenwirtschaft (Hrsg.)
[4] Schweden | Tippelt 2006. In: Transport und Logistik | Bundesagentur für Außenwirtschaft (Hrsg.)

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