Die Logistik in Osteuropa
Die Bedeutung osteuropäischer Länder ist durch die EU-Osterweiterung gewachsen. Dabei nehmen viele Staaten aufgrund ihrer zentralen Lage zwischen Zentraleuropa und Russland eine Brückenfunktion ein. Die Verkehrsnetze sind zwar relativ gut ausgebaut, westeuropäische Standards werden jedoch nicht erreicht. Trotz eines rasanten Wachstums des Straßenverkehrs ist der Schienenverkehr bis heute das dominante Transportmittel. Da viele herstellende Unternehmen ihre Produktion nach Osteuropa verlagern, werden auch die Logistikdienstleister gezwungen diesen Schritt mitzugehen.
Geografische Herausforderungen in Osteuropa
Die Staaten Osteuropas liegen in einer strategisch zentralen Position auf dem Kontinent und an der Schnittstelle Westeuropas zu Russland. Gerade durch die EU-Osterweiterung nehmen sie daher mehr und mehr eine Brückenfunktion ein. Bereits in der Antike und im Mittelalter verliefen wichtige Handelsstraßen wie die Bernstein- oder Seidenstraße von West- über Osteuropa nach Russland und Asien.
Kernländer für den Warenaustausch
Die wichtigsten Partner Osteuropas für den Warenaustausch sind die zentraleuropäischen Staaten Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Österreich, Spanien, Italien und die Niederlande sowie Russland und Schweden. Außerdem werden Waren vielfach untereinander ausgetauscht [1].
Osteuropäische Infrastruktur
Schon in den 1970er Jahren hat in den osteuropäischen Ländern ein radikaler Umschwung vom Schienentransport zum Straßentransport begonnen. Obwohl das Wachstum des Straßenverkehrs deutlich abgenommen hat, dauert dieser Trend immer noch an. Allerdings ist der Schienenverkehr bis heute das dominante Transportmittel in Osteuropa.
Das Straßennetz der osteuropäischen Staaten ist relativ gut ausgebaut, doch es mangelt in vielen Ländern an Autobahnen. Das Schienennetz ist überwiegend sehr dicht und relativ gut entwickelt. Dagegen spielen die inländischen Wasserwege nur eine geringe Rolle. Bis in der osteuropäischen Infrastruktur jedoch westeuropäische Standards erreicht werden, müssen bis 2015 in Zentral- und Südosteuropa rund 16 Milliarden Euro in den Ausbau von Schienen, Straßen und Flughäfen investiert werden.
Auf dem osteuropäischen Logistikmarkt gibt es deutliche regionale Unterschiede. Während Tschechien, die Slowakei, Slowenien, Ungarn und Polen bereits fortschrittlich entwickelt sind, liegen Rumänien, Bulgarien und Kroatien noch weiter zurück. Weiter ostwärts ist die Infrastruktur noch schlechter ausgebaut.
Osteuropäische Häfen, insbesondere die großen Seehäfen in Polen haben einen hohen Warenumschlag und werden zunehmend ausgebaut. Gerade polnische Häfen steigern im internationalen Vergleich die Qualität ihrer Dienstleistungen enorm und holen so gegenüber westeuropäischen Häfen auf. Dabei streben die polnischen Häfen Gdansk und Gdynia die Führungsposition unter den größten Containerhäfen im südbaltischen Raum an. Sie besitzen das Potenzial, künftig die Rolle eines regionalen, baltischen Hubs Hub einzunehmen [2].
Logistikanforderungen und -leistungsbereiche
Durch die Öffnung der ehemaligen Ostblock-Länder und die Erweiterung der EU wird die Vernetzung aller europäischen Regionen verbessert. Vielen Produktionsunternehmen wird dabei eine kostengetriebene Verlagerung ihrer Produktionsstätten nach Osteuropa erleichtert. Logistikdienstleister müssen diesen Unternehmen folgen oder die neuen Märkte durch Fusionen und Akquisitionen erschließen.
Diese Veränderungen ziehen auch ein beträchtliches Wachstum des Verkehrswesens nach sich - insbesondere des Frachtverkehrs. Es wird erwartet, dass der Straßenfrachtverkehr bis 2010 um 50 Prozent wächst. Allerdings wird der Straßenfrachtverkehr dabei nur in beschränktem Maße fähig sein, die Nachfrage der europäischen Industrie kostengünstig zu befriedigen. Dies liegt z. B. an Staus, begrenzten Möglichkeiten der Erhöhung von Netzwerkkapazitäten, steigenden Energiekosten und der zunehmenden intermodalen Konkurrenz durch den Eisenbahnverkehr.
Moderne Logistikdienstleister müssen also viele Herausforderungen meistern und koordinieren. So müssen allgemeine logistische Trends wie ein vermehrtes Shareholder-Value-Denken, Deregulierung Deregulierung und „On-Demand-Welten“ On-Demand ebenso berücksichtigt werden wie das hohe Wirtschaftswachstum, die EU-Osterweiterung und die Relevanz einer nachhaltigen Entwicklung. Die Spediteure streben deshalb im Frachtverkehr eine gesteigerte Kooperation und Planung an, um einen besseren Einsatz aller Transport-Möglichkeiten zu gewährleisten.
Die osteuropäischen Märkte für KEP-Dienste Kurier-, Express- und Paket-Dienste profitieren von der steigenden Konsolidierung Konsolidierung auf den westeuropäischen KEP-Märkten. Die Anbieter suchen dabei nach neuen Märkten, um Expansionschancen zu generieren. Auf diesem Weg hat sich z. B. das Ausmaß des polnischen KEP-Marktes von 2000 bis 2005 auf etwa 400 Millionen Euro verdoppelt. Der Markt wird dabei wesentlich von westlichen Firmen dominiert [3].
Logistikzentren in Osteuropa
Die EU-Erweiterung und grundsätzliche Logistiktrends wie Just-in-Time Just-in-Time haben zu Forderungen nach veränderten Kriterien bei der Standort-Entscheidung für europäische Distributionszentren Distributionszentrum geführt. Osteuropa wird dabei die größten Auswirkungen der EU-Erweiterung zu spüren bekommen. Noch befinden sich die meisten Distributionszentren in der Benelux-Region und Frankreich. Viele Unternehmen werden aber ein regionales Distributionszentrum in Osteuropa aufbauen, um diese Regionen innerhalb eines angemessenen Zeitrahmens zu erreichen. Von den bestehenden europäischen Distributionszentren in den Benelux-Staaten und Frankreich aus ist dies kaum möglich.
Die EU-Erweiterung und das zunehmende Transportvolumen werden zu erhöhten Lager- und Distributionsaktivitäten in den Ländern im mittleren Osteuropa führen. Dazu werden in den Hauptmärkten Polen, Tschechische Republik und Ungarn viele Händler und Zulieferer beschäftigt sein. Experten sehen Ungarn als geeignet an, das Hauptdrehkreuz in Südosteuropa zu werden. Dabei wird die Überwindung der bestehenden Barrieren zwischen den Staaten von Ost- und Westeuropa, z. B. in der Transport-Infrastruktur, eine große Herausforderung für die Zukunft sein [3].
Wichtige Logistikdienstleister
Die wichtigsten Logistikanbieter Logistikanbieter Osteuropas sind CargoLine, Dachser, DHL, Fiege, Hellmann, ILS, Imperial Logistics, Interspe Hamann, Schenker, Thiel, Wilhelm Kentner Spedition und Wincanton Trans European.
Literatur-Empfehlungen
Fundamentals of Logistics Management | Grant / Lambert / Stock / Ellram 2005
Quellen
[1] The World Fact Book | Central Intelligence Agency 2007
[2] Transportmarkt Barometer | Progtrans / ZEW 2007
[3] Logistics in Poland, Hungary & the Czech Republic | Datamonitor 2002



