Die Logistik in Brasilien

Brasilien gehört zu den am schnellsten wachsenden Ländern der Welt. Die hohen Kosten der Logistik drohen dieses Wachstum jedoch zu gefährden. Diese Kosten sind insbesondere auf erhebliche regionale Unterschiede der Infrastruktur, ein rückständiges Schienennetz, hohe Hafengebühren sowie die schwierige Erschließung der Amazonas-Region zurückzuführen. Das Straßennetz nimmt in Brasilien eine dominante Rolle ein. Seit den 1990er Jahren konsolidiert sich der Markt des brasilianischen Transportwesens mehr und mehr.

Geografische Herausforderungen in Brasilien

Ausgedehnte Regenwälder im Amazonas-Tiefland im Norden, Hochebenen und Gebirge im Süden und die Anden im Westen prägen die Landschaft des südamerikanischen Staates. Gerade die Infrastruktur in der Regenwaldregion im Norden Brasiliens ist aufgrund der schwierigen Gegebenheiten nur schwach ausgebaut. Aus landwirtschaftlicher Sicht haben die Savannen im Mittelwesten eine hohe Bedeutung, der Großteil der Bevölkerung hingegen lebt im Osten des Landes an der Atlantikküste.

Kernländer für den Warenaustausch

Die wichtigsten Handelspartner Brasiliens sind die USA, Argentinien, China, Deutschland, die Niederlande, Japan und Chile [1].

Brasilianische Infrastruktur

Starke regionale Unterschiede sind kennzeichnend für die brasilianische Verkehrsinfrastruktur. Im wirtschaftlich starken Südwesten und Süden sind mehrere gut ausgebaute Verkehrsträger verfügbar. Ganz anders zeigt sich das Amazonas-Gebiet im Norden Brasiliens: dort sind die Möglichkeiten sehr begrenzt - sowohl in Bezug auf die Dichte als auch in Bezug auf die Verfügbarkeit unterschiedlicher Verkehrsträger.
Das brasilianische Transportsystem hängt stark von dem Straßennetz ab, auf das 60 Prozent des gesamten Transportvolumens entfallen. Dies gilt insbesondere für wirtschaftlich aktive Regionen, obwohl dort auch weitere Verkehrsträger zur Verfügung stehen - allen voran São Paulo. Eine große Herausforderung ist daher eine langfristig notwendige Reduzierung des hohen Straßenverkehrs. Dies wird jedoch nur möglich sein, wenn eine ausreichende Anzahl intermodaler Umschlagpunkte zur Verfügung gestellt wird.
Der Schienenverkehr in Brasilien ist in seiner Qualität und Dichte noch nicht mit amerikanischen oder europäischen Maßstäben vergleichbar. Das 29.000 km umfassende Schienennetz ist schlecht ausgebaut und teilweise in einem schlechten Zustand. Es konzentriert sich überwiegend auf die Staaten São Paulo, Minas Gerais, Rio de Janeiro und Rio Grande do Sul. Zudem gibt es sogar innerhalb Brasiliens unterschiedliche Spurweiten.
Die Gebühren brasilianischer Häfen sind wesentlich höher als z. B. in Hamburg, Singapur und Antwerpen. Viele Häfen haben zudem gravierende Probleme. So fehlen teilweise Abfertigungskapazitäten, es gibt zu niedrige Aufnahmefähigkeiten der Schiffe durch zu geringe Fahrrinnentiefe und mangelhafte Straßen- und Schienenanbindungen. Hinzu kommen nicht ausreichend geschultes Personal sowie der Mangel an LKW-Stellplätzen [2, 3, 4].

Logistikanforderungen und -leistungsbereiche

Seit 2003 ist das Wachstum der brasilianischen Wirtschaft und des Exports erheblich. Der damit verbundene Aufschwung wird jedoch durch die unverhältnismäßig hohen Logistikkosten bedroht. Diese werden auf ca. 20 Prozent des Bruttoinlandsproduktes geschätzt und liegen damit doppelt so hoch wie in den OECD OECD -Staaten.
Der globale Trend zu integrierten Logistiklösungen in der Kontrakt-Logistik Kontrakt-Logistik ist auch in Brasilien zu beobachten. So werden z. B. in der Automobilindustrie vielfach Just-in-Time Just-in-Time -Lösungen gefordert, die in der Folge von vielen Dienstleistern angeboten werden. Die effiziente und kostengünstige Umsetzung dieser Lösungen wird jedoch oft durch bürokratische Hürden behindert.
Das zuvor stark segmentierte Transportwesen hat sich seit dem Ende der 1990er Jahre erheblich konsolidiert. Zu dieser Entwicklung haben besonders die großen, multinationalen und vor allem europäischen Logistikdienstleister beigetragen. Denn auch inländische Transporteure haben sich aufgrund der gestiegenen Konkurrenz zu Logistikdienstleistern entwickelt.
Hinsichtlich der KEP-Dienste Kurier-, Express- und Paket-Dienste ist der brasilianische Markt in den Hauptwirtschaftszentren im Süden und Südosten sehr gut entwickelt. Nachholbedarf dagegen besteht im Norden des Landes [2, 3].

Logistikzentren in Brasilien

Die wichtigsten Zentren befinden sich im Süden des Landes, vor allem um die wirtschaftlichen Zentren São Paulo und Rio de Janeiro. Auch Städte wie Porto Alegre - in der Nähe zum wichtigen Handelspartner Argentinien - gewinnen an logistischer Bedeutung. Im Hinterland bieten sich Städte wie Goiania oder Belo Horizonte als Zentren an [2].

Wichtige Logistikdienstleister

Wichtige Anbieter logistischer Leistungen sind DHL, TNT, America Latina Logistica, Companhia Vale de Rio Doce, Expresso Mercurio, Penske, Ryder [2].

Literatur-Empfehlungen

Fundamentals of Logistics Management | Grant / Lambert / Stock / Ellram 2005

Quellen

[1] The World Fact Book | Central Intelligence Agency 2007
[2] Brasilien | Oliveira 2007. In: Transport und Logistik | Bundesagentur für Außenwirtschaft (Hrsg.)
[3] Logistik in Brasilien | Häussler. In: Investitionshandbuch Brasilien 2006/2007 | Bundesagentur für Außenwirtschaft (Hrsg.)
[4] Global Perspectives. Brazil | Council of Supply Chain Management Professionals (CSCMP) 2007

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