Der globale Standard und seine Grenzen
Der Barcode bzw. Strichcode hat sich seit seiner Erfindung Mitte des letzten Jahrhunderts auf der ganzen Welt etabliert. In den letzten 30 Jahren war er dabei die führende Technologie zur automatischen und berührungslosen Datenerfassung - vor allem deshalb, weil er besonders kostengünstig aufzubringen und auszulesen ist. Auch heute noch wäre ein Großteil der globalen Logistiksysteme ohne den Barcode nicht funktionsfähig. Allerdings stößt er zunehmend an seine Grenzen, da die speicherbare Informationsmenge begrenzt ist und für viele Anwendungen schon jetzt nicht mehr ausreicht.
Die Eigenschaften und Funktionen des Barcodes
Barcodes sind auf nahezu allen verpackten Konsumgütern aufgebracht und aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Der Barcode ist eine optisch und elektronisch lesbare Schrift, die aus unterschiedlich breiten, parallelen Strichen und Lücken besteht. Die Daten in einem Barcode werden mit optischen Lesegeräten wie z. B. Scannern oder Kameras maschinell eingelesen und elektronisch weiterverarbeitet.
Die Standards und Fähigkeiten des Barcodes
Ein Barcode kann numerische oder alphanumerische Zeichen darstellen und ist weltweit standardisiert. Eine der bekanntesten Arten des eindimensionalen Barcodes (1-D-Code) ist der European Article Number-Code EAN-Code . Um diesen Barcode nutzen zu können, muss sich eine Firma zunächst bei EAN International registrieren. Sie erhält dann eine spezielle Strichfolge zugewiesen, die am Anfang der von ihr verwendeten Barcodes stehen muss. Anschließend weist sie ihren einzelnen Produkten individuelle Barcodes zu.
Ein Beispiel für einen weit verbreiteten Standard des EAN-Codes EAN-Code ist EAN 128. Er wird in erster Linie am [Point-of-sale] verwendet. Außerdem werden Barcodes beim Track and Trace genutzt. Im Rahmen ausgereifter Supply Chains Supply Chain ermöglicht der Barcode eine automatische Erfassung von Lagereingängen, was zu einer Reduktion von Lagerbeständen und einer Verbesserung der Datenqualität beiträgt. Auch der Bezahlprozess für Lagereingänge kann durch eine Verbindung der Erfassung mit dem Enterprise Resource Planning Enterprise Resource Planning ohne menschlichen Eingriff stattfinden.
Der Barcode wird als Speichermedium ständig weiterentwickelt. Um mehr Information auf weniger Platz darstellen zu können, wurde ein zweidimensionaler Barcode (2-D-Code) entwickelt. Dieser besteht aus gestapelten 1-D-Codes, ist in Zeilen angeordnet oder wird als echter Flächencode (Matrix) hergestellt. Diese Art von Barcode wird z. B. von Bahnunternehmen, Fluggesellschaften und Konzertveranstaltern für die Kennzeichnung von Eintrittskarten eingesetzt. Bei dreidimensionalen Barcodes (3-D-Codes) bildet Farbe die dritte Dimension.
Seit kurzem existieren zudem 4-D-Codes. Die Neuentwicklung baut ebenfalls auf üblichen (schwarz-weißen) 2-D-Codes auf, das Format ist aber sowohl farbig, als auch animiert. Die bunten Animationssequenzen können mit jedem Kamera-Handy abgefilmt werden. Das Handy wandelt die Informationen dann in Schrift, Zahlen oder Grafiken um. So könnten künftig zum Beispiel Kontoauszüge von Bankautomaten direkt aufs Mobiltelefon übertragen werden. Allerdings ist derzeit noch die Installation einer zusätzlichen Software auf dem Handy erforderlich.
Die Vor- und Nachteile des Barcodes
Die Vorteile des Barcodes
Barcodes sind exakt und effizient. Wesentliche Vorteile liegen in den extrem niedrigen Kosten und dem weltweiten Einsatz einer standardisierten Barcode-Technologie. Hinzu kommen umfassende Einsatzmöglichkeiten bei der unternehmens- und systemübergreifenden Zusammenarbeit. Dies ist vor allem für den internationalen Handel wichtig.
Der Barcode ist außerdem in Verbindung mit Klarschrift gut zu lesen und daher für die manuelle Identifikation z. B. von Lagerplätzen gut geeignet. Er lässt die Nutzung vorauseilender Sendungsinformationen zu und ist besonders in mehrdimensionalen Ausprägungen flexibel in Bezug auf die enthaltenen Daten. Zudem ermöglicht er eine erhöhte Arbeitsgeschwindigkeit bei gleichzeitiger Transparenz von Warenbewegungen. Als „Identifier“ werden beispielsweise Barcodes auf Paketsendungen bezeichnet, die analog zu Ausweispapieren bei Menschen eine Identifikation der einzelnen Sendung möglich machen und im Retourenmanagement eine große Rolle spielen.
Die Nachteile des Barcodes
Mit steigender Komplexität des Logistikprozesses reicht das Barcode-System nicht mehr aus. Ein 1-D-Code enthält nur eine relativ geringe Informationsmenge über das Produkt, mit der lediglich der betreffende Artikel identifiziert werden kann. In der Logistik besteht aber ein stetig steigender Bedarf an weiteren Informationen über die Waren. So sind z. B. für Elektronikprodukte die Seriennummer und für Konsumgüter das Herstellungs- und Haltbarkeitsdatum sowie der Herkunftsort wichtig.
Im Vergleich zur möglichen Nachfolgetechnologie RFID Radio Frequency Identification sind die Fähigkeiten des Barcodes begrenzt. Der Barcode ist ein „passives Format“ - das heißt, es muss eine Sichtverbindung zwischen Produkt und Lesegerät hergestellt werden, um den Code auszulesen. Dabei kommt es relativ häufig zu Fehlern. Zudem ist die richtige Ausrichtung des Barcodes zum Gerät mit beträchtlichem Handlingaufwand verbunden. Bei RFID hingegen handelt es sich um ein „aktives Format“, das eine vollautomatische Identifikation und Ortsbestimmung von gekennzeichneten Produkten ermöglicht.
Literatur-Empfehlungen
Logistik /Vahrenkamp 2007
Fundamentals of Logistics Management | Grant / Lambert / Stock / Ellram 2007




