So sieht ein Lagerhaus von innen aus
Moderne Lagerhäuser besitzen eine Vielzahl an technischen Einrichtungen, die eine effiziente Lagerung von Waren ermöglichen. So z. B. mit Transportsystemen, die fahrerlos und wie von Geisterhand gelenkt zwischen den verschiedenen Lagerzonen fahren, oder mit Kommissionierern, die - gesteuert durch ihr Headset - Waren aus den Regalen entnehmen. Eine anschauliche Animation mit näheren Erläuterungen gibt dazu einen Einblick in die wichtigsten Abläufe in einem Lagerhaus.
Vom Wareneingang zum Warenausgang
Güter, die an einem Lagerhaus eintreffen, werden im Wareneingang angenommen und für die Lagerung vorbereitet. Dazu müssen die ankommenden Waren abgeladen und identifiziert werden. Die Identifizierung erfolgt dabei meist durch das Scannen eines an der Ware angebrachten Barcodes Barcode . Mit neuen, innovativen Technologien wie der Funkfrequenztechnik RFID Radio Frequency Identification können Waren aber auch berührungslos eingelesen werden. So kann z. B. der Inhalt einer kompletten Palette Palette auf einmal ausgelesen werden, indem die - an den einzelnen Produkten angebrachten - RFID Radio Frequency Identification -Chips ein Funksignal schicken, sobald ein Tor o. Ä. durchfahren wird. Diese im Vergleich zum Barcode Barcode relativ kostenintensive Identifikation wird jedoch kaum eingesetzt.
Nach der Wareneingangskontrolle werden die Waren für die Einlagerung fertig gemacht. Sie werden z. B. auf passende Ladehilfsmittel wie Paletten Palette und Kleinteilebehälter umgeladen oder umgepackt. Die Aufenthaltsdauer der Güter im Wareneingangsbereich sollte dabei so kurz wie möglich sein. Der Bereich im Wareneingang, in dem die einzulagernden Waren erfasst werden, wird häufig als I-Punkt bzw. Informationspunkt bezeichnet.
In Theorie werden bei der Lagerhaltung Lagerhaltung zwei Formen von Lagern unterschieden werden: Einheitenlager und Kommissionierlager. Praktisch treten jedoch häufig Mischformen auf.
Das Einheitenlager bietet die Möglichkeit, Güter in derselben Einheit einzulagern und wieder auszulagern. So wird beispielsweise eine Palette Palette mit Waren eingelagert und auch komplett wieder ausgelagert. Wegen der dadurch bedingten großen Uniformität der Tätigkeiten sind Einheitenlager in hohem Maße automatisierbar. Da die Bewegungsprozesse stark im Hintergrund stehen, kann eine extreme Raumausnutzung erreicht werden. Gehen die Einheiten nach der Auslagerung nicht direkt zum Warenausgang Warenausgang , sondern in ein Kommissionierlager, werden die Einheitenlager auch als Reservelager bezeichnet. In Reservelagern lagern Güter in großen Mengen und Ein¬heiten relativ lange Zeit.
Im Kommissionierlager werden die Güter im Allgemeinen nur kurze Zeit in kleinen Mengen und Einheiten gelagert. In diesem Lagerhausbereich laufen vor allem Bewegungsprozesse ab, die der Konzentration oder Auflösung des Güterflusses dienen, also dem Kommissionieren Kommissionierung . Die Güter verlassen diesen Lagerhausbereich somit nicht in dem Zustand, in dem sie eingelagert wurden. Um die Kommissionierzeiten bei manuellen Vorgängen möglichst kurz zu halten, muss bei der Gestaltung eines Kommissionierlagers auf zeitsparende Greifvorgänge und kurze Transportwege geachtet werden. Häufig werden in Kommissionierlagern auch moderne Techniken wie Pick-by-Light Pick-by-Light oder Pick-by-Voice Pick-by-Voice eingesetzt, die dem Kommissionierer die Arbeit erleichtern.
In der Packerei wird der kommissionierte Auftrag zu einer versandfähigen Einheit zusammengestellt. Beim Versand kann es sich dabei auch um einen Transport an andere innerbetriebliche Stellen handeln.
Der Warenausgang umfasst sowohl Aufgaben der Warenabgabe an den Empfänger als auch vorbereitende Arbeiten. Dazu zählen z. B. die Entgegennahme der Waren aus der Packerei, das Einrichten von Zwischenlagern Zwischenlager bis zur Abholung, die Disposition der abholenden Transportmittel und das Verladen. Im Warenausgang stehen die Bewegungsprozesse im Vordergrund. Ein längerer Aufenthalt der Güter im Warenausgang findet nur in Sonderfällen statt.
Darüber hinaus müssen die Lager- und Bewegungsprozesse, die in Lagerhausbereichen ablaufen, auch gesteuert und koordiniert werden. Diese Aufgabe übernimmt die Lagerverwaltung. Sie ist somit die Schnittstelle des logistischen Subsystems Lagerhaus Lagerhaus zum logistischen Subsystem Auftragsabwicklung Auftragsabwicklung [1].
Lagerhaustechnik
Die aktuellen Trends in der Wirtschaft haben auch starke Auswirkungen auf die Intralogistik Intralogistik , d. h. den innerbetrieblichen Materialfluss und die damit verbundene Technik im Lagerhaus Lagerhaus . Zu diesen Entwicklungen gehören z. B. die steigende Innovationsdynamik und Individualisierung der Kundenwünsche, die Zunahme der Variantenvielfalt sowie die extreme Volatilität im Auftragseingang.
Die Hauptaufgabe der Fördertechnik ist es, Waren zu transportieren, zu lagern, zu kommissionieren und umzuschlagen. Dabei werden vermehrt Ansätze diskutiert, mit denen sich alle eingesetzten Fördergeräte und -systeme so effizient und zeitminimal kombinieren lassen, dass sich die Fördertechnik an unterschiedliche Transportgüter flexibel anpassen lässt.
In vielen Bereichen werden heute Flurförderzeuge [Flurförderzeug] eingesetzt, die mit geringem Aufwand an die entsprechenden Einsatzgebiete angepasst werden können. Sie weisen eine wesentlich höhere Flexibilität bei Layoutveränderungen oder Systemerweiterungen auf als automatisierte Stetigförderer [Stetigförderer] [2].
Grundlage dieser Systeme bleibt aber nach wie vor die Lagerhaustechnik mit ihren Lagergestellen, Transportmitteln und Kommissioniersystemen.
Lagergestelle
In einem modernen Lagerhaus können Produkte auf unterschiedlichste Art und Weise gelagert werden. Dabei ist nicht nur wichtig, welches Produkt gelagert werden soll, sondern auch wie schnell es wieder verfügbar sein muss. Fachbodenregale Fachbodenregal sowie Platz sparende Umlaufregale Umlaufregal werden z. B. häufig für nicht palettierte Kleinteile benutzt, während Palettenregale Palettenregal auch besonders für große Artikelmengen und -anzahlen geeignet sind.
Dort kommen wie bei Einfahrregalen Einfahrregal und Durchfahrregalen Durchfahrregal meist auch Transportmittel zur Lagerung von schweren, sperrigen Gütern zum Einsatz. Darüber hinaus unterscheidet man Durchlaufregale Durchlaufregal , die vor allem zur Kommissionierung Kommissionierung genutzt werden, Verschieberegale Verschieberegal für Produkte, die nicht allzu häufig benötigt werden, und Hochregale Hochregal , die in Industrie- und Handelsunternehmen häufig zu finden sind [1].
FachbodenregalFachbodenregale werden häufig verwendet, um nicht palettierte Artikel, Kleinteile und sperrige Teile zu lagern. Generell eignen sie sich für die Lagerung von kleinen bis mittleren Artikelmengen bei großer Artikelanzahl und unterschiedlichstem Artikelspektrum. |
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PalettenregalIn Palettenregalen werden Paletten gelagert. Sie dienen zur Lagerung von kleinen bis großen Artikelmengen bei großen Artikelanzahlen oder Sortimenten. |
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EinfahrregalEinfahrregale sind für die Lagerung von größeren Artikelmengen bei hohem Gewicht und kleiner Artikelanzahl ebenso geeignet wie für druckempfindliche Güter und nicht stapelbare Ladeeinheiten. |
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DurchfahrregalDurchfahrregale sind genau wie Einfahrregale für die Lagerung von größeren Artikelmengen bei hohem Gewicht und kleiner Artikelanzahl geeignet - sowie zur Lagerung von druckempfindlichen Gütern oder nicht stapelbaren Ladeeinheiten. |
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DurchlaufregalDurchlaufregale werden häufig in Verteillagern zur Kommissionierung verwendet. In den Regalen lagern mittlere Artikelmengen bei kleiner bis mittlerer Artikelanzahl. |
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VerschieberegalVerschieberegale eignen sich vor allem für die Langzeitlagerung von Beständen, auf die nur selten zugegriffen wird. Spezielle Einsatzbereiche sind Archive für Akten, Dokumente oder elektronische Datenträger. In Verschieberegalen werden mittlere Artikelmengen bei mittlerer bis hoher Artikelanzahl gelagert. |
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UmlaufregalUmlaufregale werden häufig als Kleinteilelager, Ersatzteillager, Werkzeuglager oder für Pharmazeutika und Dokumente verwendet. In den Regalen werden kleine bis mittlere Artikelmengen bei mittlerer bis großer Artikelanzahl zum Kommissionieren gelagert. |
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HochregalHochregale sind in Industrie- und Handelsunternehmen am häufigsten. Sie dienen zur Lagerung von kleinen bis großen Artikelmengen bei großen Artikelzahlen oder Sortimenten. |
Lagergestellarten
Quelle: Materialflusssysteme. Förder- und Lagertechnik | Hompel / Jünemann 2007
Transportmittel
Um die Produkte im Lagerhaus effizient zu transportieren sowie ein- und auszulagern, gibt es verschiedene Transportmittel, die die Arbeit erleichtern. Zum einen sind dies fest installierte Transportmittel wie Deckenkreisförderer [Deckenkreisförderer], Kräne Kran , Rollenbahnen Rollenbahn und Elektrohängebahnen [Elektrohängebahn], zum anderen freie Transportmittel wie Gabelhubwagen Gabelhubwagen , Gabelstapler Gabelstapler und fahrerlose Transportsysteme [Fahrerloses Transportsystem]. Darüber hinaus gibt es auch spezielle Regalbediengeräte [Regalbediengerät], die z. B. in Palettenregal Palettenregal -, Hochregal Hochregal - oder Behälterregallagern [Behälterregal] die Ein- und Auslagerung vereinfachen.
DeckenkreisfördererDeckenkreisförderer werden häufig im Maschinen- und Anlagenbau und der Modebranche eingesetzt. Sie dienen zum Transport zwischen Fertigungsabschnitten und können auch Aufgaben im Fertigungsprozess übernehmen, z. B. das Kühlen oder Trocknen. Zudem können sie als Pufferlager genutzt werden. |
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RollenbahnRollenbahnen sind aufgrund ihres einfachen Aufbaus, der Robustheit und der geringen Investitions- und Betriebskosten weit verbreitet. Sie eignen sich nur für den Transport von Stückgütern mit einer festen und ebenen Fläche, da sonst kein störungsfreier Ablauf gewährleistet werden kann. Rollenbahnen werden häufig in der Lagervorzone, der Produktion zum Be- und Entladen von Straßenfahrzeugen, Eisenbahnwagen, Schiffen und Flugzeugen eingesetzt. |
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KranKräne werden zur Bedienung von Lagern und zur Ver- und Entsorgung von Maschinen und Anlagen in der Produktion verwendet. Typische Aufgaben sind z. B. die Lagerbedienung und der Stückguttransport. |
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ElektrohängebahnElektrohängebahnen sind in allen Unternehmensbereichen vom Wareneingang, Lager, Kommissionierbereich bis zum Versand einsetzbar. Ihr Haupteinsatzfeld ist auf Fahrstrecken mit geringen bis mittleren Durchsatzleistungen, die schnell überwunden werden müssen. Sie werden häufig in der Elektro-, Textil- und Lebensmittelindustrie sowie in der Automobilindustrie zur Karosseriemontage verwendet. |
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GabelhubwagenGabelhubwagen ermöglichen den horizontalen Stückguttransport auf Bodenniveau im gesamten Betrieb. Dabei sind sie vor allem für kurze Transportwege und eine mittlere Transportfrequenz geeignet. Bevorzugter Einsatz ist der Palettentransport zwischen Arbeitsplätzen und bei beengten Platzverhältnissen, z. B. bei der Be- und Entladung von Containern, LKW oder Eisenbahnwagen. |
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GabelstaplerGabelstapler kombinieren den horizontalen Stückguttransport mit Stapelarbeiten. Eingesetzt werden sie zur Förderung von Gütern auf Ladehilfsmitteln wie Paletten, Gitterboxen oder Einzelteilen. Bevorzugter Einsatz ist das Palettenein- und -auslagern in Regallagern. |
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Fahrerloses TransportsystemFahrerlose Transportsysteme werden bevorzugt eingesetzt, um kleine und mittlere Entfernungen mit großen Trag- oder Schlepplasten zu überwinden, die einen geringen bis mittleren Durchsatz aufweisen. Sie dienen z. B. in Produktionsbetrieben und Warenverteilzentren dem unregelmäßigen horizontalen und gegebenenfalls auch vertikalen Transport in den Bereichen Wareneingang, Produktion, Lager, Lagervorzone und Versand. |
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RegalbediengerätRegalbediengeräte werden in Palettenregal-, Hochregal- oder Behälterregallagern eingesetzt, um Güter auf möglichst genormten Ladehilfsmitteln wie Paletten, Gitterboxen oder Behältern ein- und auszulagern. |
Lagertransportmittel
Quelle: Materialflusssysteme. Förder- und Lagertechnik | ten Hompel / Jünemann 2007
Kommissioniersysteme
Besonders in großen Lagern stellt sich die Frage, in welchem der zahlreichen Regalplätze sich ein bestimmter Artikel befindet. Moderne Kommissioniersysteme unterstützen die Kommissionierer deshalb bei ihrer Arbeit. Z. B. indem sie per Lichtsignal anzeigen, in welchem Fach sich die Ware befindet Pick-by-Light Pick-by-Light , oder sogar per Headset Informationen über den genauen Lagerplatz im Lager nennen Pick-by-Voice Pick-by-Voice .
So erhält ein Mitarbeiter etwa über Headset die Information „Reihe 14, Platz 2“ mitgeteilt. Ihm wird so die wegeoptimierte Lauf- und Pickliste Pickliste zugewiesen, nach der er zu den Entnahmeplätzen geführt wird. Der Kommissionierer identifiziert dann den Regalplatz und Teile des EAN-Codes EAN-Code des dortigen Artikels, z. B. die letzten beiden Stellen. Ist die Artikelnummer richtig, gibt das System über das Headset die zu entnehmende Menge an. Der Kommissionierer nimmt die Ware aus dem Regal, bestätigt die Menge und erhält ein „OK“. Dieser Vorgang wiederholt sich bis die vorgegebene Packhöhe erreicht bzw. ein Auftrag vollständig erledigt ist.
Eine Weiterentwicklung dieses Kommissioniersystems ist Pick-by-Vision Pick-by-Vision . Bei dieser, bisher nur als Prototyp vorliegenden Technologie, erhält der Kommissionierer seine Informationen über eine Datenbrille.
PicklisteDie Kommissionierliste ist das klassische Steuerungs- und Informationsmittel für den manuellen Kommissioniervorgang. |
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Pick-by-LightPick-by-Light wird häufig zur Kommissionierung von Schnellläufern eingesetzt. Das System ist insbesondere für Unternehmen mit kleinen Produktgrößen günstig. |
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Pick-by-VoiceZudem kommen die Systeme auch für die Qualitätskontrolle sowie das Verpacken und den Versand in Frage, z. B. für das Ansagen der zu verwendenden Kartongröße. Gut geeignet sind solche Systeme dort, wo Mitarbeiter etwa aus Sicherheitsgründen beide Hände zum Kommissionieren frei haben müssen. |
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Pick-by-VisionPick-by-Vision-Systeme existieren bisher lediglich als erste Prototypen in der Forschung. Einsatzgebiete sind die Kommissionierung von Schnell- und Langsamdrehern. Das System ist eine Alternative zu Pick-by-Voice- und Pick-by-Light- Anwendungen. |
Kommissioniersysteme
Literatur-Empfehlungen
Integrierte Materialwirtschaft und Logistik | Wannenwetsch 2004
World-Class Warehousing and Materials Handling | Frazelle 2002
Warehouse Management: Automation and Organisation of Warehouse and Order Picking Systems | ten Hompel / Schmidt 2006
Quellen
[1] Logistiksysteme | Pfohl 2004
[2] Die Fördertechnik | Günthner / Boppert 2004. In: Entwicklungspfade und Meilensteine moderner Logistik | Prockl / Bauer / Pflaum / Müller-Steinfahrt (Hrsg.)



