Die passende Menge zur passenden Zeit
Wenn der Lagerbestand aufgebraucht ist, ist es meist zu spät für eine neue Bestellung. Bei der Vorratsergänzung muss ein Unternehmen deshalb auf zwei Dinge besonders beachten: den optimalen Zeitpunkt, an dem ein Artikel wieder bestellt werden muss, und die erforderliche Menge. Nur so kann ein Fehlbestand schon im Voraus vermieden werden. Für ein Unternehmen ergeben sich daraus verschiedene Ansätze, Vorratspolitik zu betreiben.
Der Zeitpunkt und Umfang der Bestellung
Im Rahmen der Vorratsergänzung werden Entscheidungen darüber getroffen, wann und wie viel bestellt werden soll, damit die Summe aus Lagerhaltungskosten und Bestellkosten minimiert wird [1].
Wann?
Die Frage nach dem „Wann“ einer Bestellung kann sowohl durch eine bestimmte Mengenangabe als auch durch eine bestimmte Zeitangabe beantwortet werden. Es wird also entweder bestellt, wenn ein bestimmter Lagerbestand „s“ (Bestellpunktverfahren Bestellpunktverfahren ) unterschritten oder eine bestimmte Periode „t“ (Bestellrhythmusverfahren Bestellrhythmusverfahren ) abgelaufen ist [1].
Wie viel?
Die Frage nach dem „Wie viel“ einer Bestellung kann ebenfalls unter zwei Gesichtspunkten beantwortet werden. Die bestellte Menge ist entweder eine vorgegebene Bestellmenge „Q“ oder eine variable Menge, die den Lagerbestand jeweils bis zu einem bestimmten Bestellniveau „S“ ergänzt [1].
Unter Berücksichtigung dieser Entscheidungsvariablen können vier Bestellregeln formuliert werden:
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(s,Q)-Regel: Bestellen einer festen Losgröße bei Erreichen des Meldebestands
Sobald der Lagerbestand auf einen Bestellpunkt oder Meldebestand abgesunken ist, wird eine Bestellung ausgelöst. Man spricht deshalb auch vom Bestellpunktverfahren. Die bestellte Menge ist dabei eine feste Bestellmenge. Der Bestellpunkt wird so festgelegt, dass mit dem Lagerbestand die Nachfrage während der Wiederbeschaffungszeit noch abgedeckt werden kann.
Das Bestellrhythmusverfahren mit konstanter Bestellmenge bietet sich dann an, wenn die Kosten eines erhöhten Sicherheitsbestandes im Vergleich zu den Kosten der permanenten Kontrolle geringer ausfallen. Dies wird in der Regel bei C-Materialien der Fall sein.
(s,S)-Regel: Auffüllen auf Maximalbestand bei Erreichen des Meldebestands
Eine Bestellung wird ausgelöst, wenn der Lagerbestand auf einen Bestellpunkt oder Meldebestand abgesunken ist. Man spricht deshalb auch vom Bestellpunktverfahren. Der Bestellpunkt wird so festgelegt, dass mit dem Lagerbestand die Nachfrage während der Wiederbeschaffungszeit abgedeckt werden kann. Die bestellte Menge ist eine variable Menge, die den Lagerbestand bis zu einem bestimmten Bestellniveau „S“ ergänzt.
Für höherwertige Materialien ist tendenziell das Bestellpunktverfahren mit variabler Bestellmenge besser geeignet, wenn die Kosten der permanenten Kontrolle niedriger sind als die Einsparungen durch die - im Vergleich zum Bestellrhythmusverfahren - geringere Sicherheitslagermenge.Auffüllen auf Maximalbestand bei Erreichen des Meldebestands
(t,S)-Regel: Auffüllen auf Maximalbestand bei Erreichen eines Bestellzeitpunkts
Bei diesem Bestellverfahren wird in fest definierten Zyklen eine neue Bestellung ausgelöst. Daher bezeichnet man diesen Weg der Vorratsergänzung auch als Bestellrhythmusverfahren oder Bestellzyklusverfahren. Sofern Lagerabgänge stattgefunden haben, wird nach Ablauf des Bestellzyklus in jedem Fall nachbestellt. Die Bestellmenge wird so hoch bemessen, dass sie der Nachfrage während des Bestellzyklus und der Wiederbeschaffungszeit abzüglich des Restlagerbestandes entspricht. Mit jeder neuen Lieferung wird der Lagerbestand auf das Maximalniveau aufgefüllt.
Dieses Verfahren eignet sich tendenziell eher für Materialien mit unregelmäßigem Verbrauch.
(t,Q)-Regel: Bestellen einer festen Losgröße bei Erreichen eines Bestellzeitpunkts
Dieses Verfahren geht von einem konstanten Bestellzyklus aus. Dieser Zyklus kann durch den Anlieferungsrhythmus der Lieferanten oder den Produktionsrhythmus vorgegeben werden. Bei diesem Bestellrhythmusverfahren werden Bestellungen nach Ablauf eines Bestellzyklus in jedem Fall getätigt, wenn Lagerabgänge stattgefunden haben. Im Gegensatz zur (t,S)-Regel wird bei dieser Bestellregel immer die gleiche Menge bestellt.
Das Bestellrhythmusverfahren mit konstanter Bestellmenge bietet sich dann an, wenn die Kosten eines erhöhten Sicherheitsbestandes im Vergleich zu den Kosten der permanenten Kontrolle geringer ausfallen. Dies ist in der Regel bei C-Materialien der Fall.
Literatur-Empfehlungen
Best Pratice in Inventory Management | Wild 2002
Essentials of Inventory Management | Muller 2002
Fundamentals of Logistics Management | Grant / Lambert / Stock / Ellram 2005
Quellen
[1] Logistiksysteme | Pfohl 2004







