Die optimale Höhe der Lagerbestände
Die Aufgabe des Bestandsmanagements ist es, den optimalen Lagerbestand zu bestimmen. So sollen z. B. durch eine entsprechende Lagerhaltung eines Gutes Lieferausfälle beim Kunden vermieden werden, da dies zu wirtschaftlichen Schäden führen kann. Andererseits soll der Lagerbestand aber auch nicht zu hoch werden, da dies das Unternehmen aufgrund der Kapitalbindung in finanzielle Bedrängnis bringen kann. Für das Bestandsmanagement spielen dabei der mittlere Lagerbestand, der Sicherheitsbestand und die Bestellmenge eine entscheidende Rolle.
Die Komponenten des Lagerbestandes
Eine wichtige Komponente des Lagerbestandes ergibt sich aus der Bestellmenge, mit der der Lagervorrat wieder ergänzt wird. Je größer die Bestellmenge ist bzw. je seltener bestellt wird, desto größer ist der - aus der Bestellmenge resultierende durchschnittlich im Lager vorhandene - Bestand. Dieser wird als mittlerer Lagerbestand bezeichnet.
Bei der Bestimmung der optimalen Bestellmenge ist ein für die Logistik typischer Zielkonflikt zu lösen. Denn die Höhe der Kapitalbindung und der Lagerhaltungskosten hängt von der Größe der Bestellmenge ab. Im Gegensatz zu diesen Bestellvariablen gibt es bestellfixe bzw. losfixe Kosten, die mit jedem Lagerzugang nur einmal anfallen. Das sind die Bestellkosten, die bezogen auf die Bestellmenge regressiv verlaufen. Die klassische Bestellmengenformel zur Minimierung der Summe der beiden gegenläufigen Kosten lautet:
Vom mittleren Lagerbestand zu unterscheiden ist der gesamte Durchschnittsbestand eines Lagers, der noch einen Lagerbestand zur Vorratssicherung miteinschließt. Wenn man die Nachfrage für die Wiederbeschaffung genau vorhersagen könnte, würde auch der mittlere Lagerbestand zur Befriedigung der auftretenden Nachfrage genügen. Die beim Bestellpunkt ausgelöste Bestellmenge würde am Ende der Wiederbeschaffungszeit gerade dann im Lager eintreffen, wenn der alte Lagerbestand aufgebraucht ist.
Häufig stimmt aber der prognostizierte Nachfrageverlauf (Lagerabgang) nicht mit dem tatsächlichen Nachfrageverlauf überein. Ebenso kann die tatsächliche Anlieferung der Güter vor oder nach der geplanten Anlieferung (Lagerzugang) erfolgen. Deshalb muss zusätzlich ein Sicherheitsbestand auf Lager gehalten werden. Der mittlere Lagerbestand resultiert also aus der Vorratsergänzung, wenn die geplante und tatsächliche Nachfrage sowie die geplante und tatsächliche Wiederbeschaffungszeit übereinstimmen. Der Sicherheitsbestand wiederum resultiert aus Unsicherheiten im Nachfrageverlauf und in der Wiederbeschaffung, die zu Lagerentnahme- und Wiederbeschaffungszeitüberziehungen führen.
Um zu ermitteln, wie viel Kapital in den Lagerbeständen gebunden ist, sollten neben dem Durchschnittsbestand auch die „Lagerbestände während der Bewegung“ berücksichtigt werden. Diese werden auch „Unterwegsbestände“, „movement inventories“, „pipeline inventories“ oder „inprocess inventories“ genannt. Sie entstehen während des Transports und Umschlags der Güter. Dauert ein Transport und Umschlag eines Artikels vom Fabriklager zum Auslieferungslager z. B. zwei Wochen und werden vom Auslieferungslager 100 Einheiten des Artikels pro Woche verkauft, so beträgt die Höhe der „Lagerbestände während der Bewegung“ im Durchschnitt 200 Einheiten [1, 2].
Literatur-Empfehlungen
Best Pratice in Inventory Management | Wild 2002
Essentials of Inventory Management | Muller 2002
Fundamentals of Logistics Management | Grant / Lambert / Stock / Ellram 2005
Quellen
[1] Logistiksysteme | Pfohl 2004
[2] Strategic Logistics Management | Stock / Lambert 2001




