Der Sinn und Zweck von Lagerbeständen
Lagerbestände sind für Unternehmen aus vielerlei Hinsicht notwendig und wünschenswert. So müssen große Hersteller z. B. auf saisonale Abhängigkeiten mit Lagerhaltung reagieren, um Absatzschwankungen ausgleichen zu können. Was im Einzelhandel undenkbar ist, kann so im Lager eines Schokoladenherstellers Alltag sein: Schokoladenweihnachtsmänner, die direkt neben Marzipanosterhasen stehen. Darüber hinaus gibt es noch weitere Gründe, die für Lagerbestände sprechen - beispielsweise wirtschaftliche Aspekte wie Mengenrabatte bei einem Spediteur. Die Höhe der Lagerbestände hängt dabei in starkem Maße davon ab, welche Ziele mit ihnen verfolgt werden.
Die Vor- und Nachteile von Lagerbeständen
Die Lagerhaltung von Produkten verursacht Kosten. Daher stellt sich die Frage, ob es nicht sinnvoll wäre, ganz auf Lagerhaltung zu verzichten. Es könnten dann nur die Rohstoffe bestellt werden, die auch direkt verarbeitet werden. Nach der Produktion würden die Endprodukte dann direkt an den Kunden ausgeliefert, ohne dass sie vorher beim Produzenten gelagert werden müssten. Auch beim Kunden würden die Endprodukte dann gleich weiterverarbeitet.
Die Just-in-time-Anlieferung Just-in-Time in der Automobilindustrie kommt diesen Vorstellungen nahe. Einzelteile werden direkt an die Produktionslinie angeliefert - und zwar genau dann, wenn sie zum Einbau benötigt werden. Eine Lagerhaltung Lagerhaltung beim Produzenten ist nicht nötig. Bei der Just-in-time-Anlieferung werden somit Bestände als Mittel zur nachhaltigen Erschließung von Rationalisierungspotenzialen betrachtet. Sie verdecken störanfällige Prozesse, unabgestimmte Kapazitäten, mangelnde Flexibilität und Lieferfähigkeit sowie strukturelle Schwächen bei der Koordination von Material- und Informationsflussaktivitäten. Infolgedessen verhindern sie eine flussgerechte Gestaltung der logistischen Kette. Um derartige Ineffizienzen zu vermeiden, strebt das Just-in-time-Konzept eine konsequente Reduzierung des Bestandes bis zum völligen Verzicht auf Bestände an.
Doch so einfach ist es nicht immer. Die folgenden Punkte zeigen, aus welchen Gründen es dennoch sinnvoll sein kann, Lagerbestände in Beschaffungs-, Produktions- und Distributionslagern im Unternehmen aufzubauen.
Größendegressionseffekte
Beschaffungslager können dadurch entstehen, dass ein Unternehmen Mengenrabatte beim Lieferanten oder günstigere Transportkonditionen beim Spediteur Spediteur erzielen will. In ähnlicher Weise kann der Aufbau von Lagerbeständen in Distributionslagern dazu dienen, günstigere Transportkonditionen für größere Transportmengen zu erzielen. Lagerbestände in Distributionslagern können ebenfalls wie Lagerbestände in Produktionslagern den Zweck haben, die Produktionsstückkosten durch größere Produktionslose zu senken [1].
Saisonale Schwankungen
Bei Konsumgütern mit saisonaler Nachfrage dient der Aufbau von Lagerbeständen in Distributions- wie auch in Produktionslagern dazu, die Produktionskapazitäten trotz saisonaler Nachfrageschwankungen kontinuierlich auszulasten.
Bei landwirtschaftlichen Gütern findet sich andererseits häufig ein saisonales Angebot. Um die Güter kontinuierlich während des Jahres absetzen zu können, müssen dann Lagerbestände in Distributions- oder Produktionslagern aufgebaut werden [1].
Spezialisierte Produktion
Eine Spezialisierung der Produktion - beispielsweise in verschiedenen Werken eines Unternehmens auf bestimmte Teile - senkt die Produktionskosten. Wenn keine einsatzsynchrone Anlieferung der Teile an das Montagewerk möglich ist, so ist diese Spezialisierung nur durch Inkaufnahme höherer Lagerbestände möglich [1].
Preisspekulationen
In Beschaffungs- und in Distributionslagern werden Güter zunehmend eingelagert, wenn ein Preisanstieg für diese Güter erwartet wird. Das beschaffende Unternehmen möchte sich in diesem Fall noch mit Gütern zum gegenwärtig niedrigeren Preis versorgen. Der Lieferant spekuliert unter Umständen darauf, dass die Verknappung des Angebots die Preise noch höher treiben wird, so dass er die Bestände in seinem Lager hält.
Spekulationen, die zu Lagerbeständen führen, beziehen sich nicht immer auf den Preis. Ganz allgemein entstehen Lagerbestände infolge von Spekulationen bezüglich der Knappheit von Gütern. Lagerbestände können so z. B. auch aus der Erwartung resultieren, dass ein Streik bei den Zulieferunternehmen die Versorgungssituation beeinträchtigen wird [1].
Schutz vor Unsicherheit
Der Aufbau von Lagerbeständen in Beschaffungs-, Produktions- und Distributionslagern kann auch auf Unsicherheit zurückzuführen sein. Z. B. dann, wenn sich die Nachfrage der Kunden bzw. der eigenen Produktion nicht immer sicher prognostizieren lässt und die Lieferung durch die Lieferanten oder durch die Produktion nicht immer sicher erfolgt, oder Güter von weit entfernten Regionen angeliefert werden [1].
Literatur-Empfehlungen
Best Pratice in Inventory Management | Wild 2002
Fundamentals of Logistics Management | Grant / Lambert / Stock / Ellram 2005
Quellen
[1] Logistiksysteme | Pfohl 2004


