Hohe Anforderungen für gefährliche Güter

Farbe, Gummi und Streichhölzer können ohne Schwefel nicht hergestellt werden. Schwefel ist daher ein wichtiger Grundstoff der modernen Chemie, den große Chemiekonzerne häufig benötigen und regelmäßig anfordern. Allerdings stellen der Transport, die Lagerung und der Umschlag von Gefahrgütern wie Schwefel große logistische Herausforderungen dar. So sind z. B. kurze Dispositionsänderungen, die kurzfristige Bereitstellung der Ware nach Auftragseingang und Nachttransporte mit Distanzen von mehreren 100 km keine Seltenheit. Der richtige Umgang mit Gefahrstoffen muss dabei von allen beteiligten Unternehmen besonders beachtet werden.

Die Besonderheiten der Gefahrgut-Logistik

Da Chemische Produkte sehr spezifische Eigenschaften besitzen, müssen sie speziell behandelt werden. Dies kann z. B. dazu führen, dass sie differenziert in Lagern für radioaktive Stoffe, Gefahrgut- Gefahrgut oder temperaturgeführten Lagern aufbewahrt werden. Zudem müssen Restriktionen für die Aufbewahrung bzw. Zusammenlagerung chemischer Produkte beachtet werden, um mögliche chemisch-physikalische Reaktionen wie Explosionen zu vermeiden.
Ob ein Material mit einem anderen Material zusammen an einem Lagerplatz untergebracht werden darf, kann anhand von Lagerklassifikationen und Gefahrgutklassen bestimmt werden. Dabei können zwei Varianten der Lagerung unterschieden werden:

  • Separatlagerung: In einem Lagerabschnitt, der von anderen Lagerabschnitten innerhalb eines Gebäudes durch feuerbeständige Wände und Decken voneinander getrennt ist, dürfen nur bestimmte Materialien gelagert werden. Gleiches gilt für die Lagerung im Freien.
  • Getrenntlagerung: Bestimmte Materialien erfordern keine Separatlagerung und dürfen somit in einem Lagerabschnitt gelagert werden. Allerdings müssen sie innerhalb eines Abschnitts räumlich getrennt gelagert werden [1].

Aufgaben für Logistikdienstleister in der chemischen Industrie

Für den Einsatz logistischer Dienstleister in der chemischen Industrie gibt es drei verschiedene Entwicklungsstufen.

 

Die Lieferung und der Vertrieb von Chemikalien

Der klassische Bereich, in dem Dienstleister Aufgaben für Unternehmen der chemischen Industrie übernehmen, ist die Lieferung und der Vertrieb von Chemikalien im Auftrag des Chemieproduzenten. Sie treten dazu im Markt als Lieferant der Chemikalien auf eigene Rechnung auf. Vertriebsdienstleistungen von Logistikanbietern nutzen Chemieunternehmen z. B. im Rahmen einer Expansion in neue Märkte und neue Länder, in denen sie noch nicht vertreten sind. Sie können dann einfach auf das etablierte Vertriebsnetz des Dienstleisters zurückgreifen.
Zudem werden Dienstleister mit dem Vertrieb von Produkten an B- und C-Kunden beauftragt, um die absatzseitige Komplexität für Chemieunternehmen zu reduzieren. Die Unternehmen selbst können sich dann auf die Lieferung von Bulk-Mengen an strategisch wichtige A-Kunden konzentrieren. Darüber hinaus können auch technisch komplexe Produkte aufgrund von Engpässen des Chemieunternehmens von einem externen Dienstleister vertrieben werden, der über entsprechendes Nischen-Know-how verfügt [2].

 

 

Der Einkauf chemischer Produkte

Auch beim Einkauf chemischer Produkte gibt es neue Outsourcingtendenzen Outsourcing . Im Sinne von Single Sourcing Single Sourcing -Konzepten werden dabei die herkömmlichen Einkaufswege von B- und C-Produkten aufgebrochen, um die beschaffungsseitige Komplexität zu reduzieren. In diesem Zusammenhang können Providermodelle wie Vendor Managed Inventory Vendor Managed Inventory (VMI) zu einer Komplexitätsreduktion und schließlich zu einer Reduktion von Kapitalkosten führen. Beim VMI ist der Lieferant für die Bestandsführung im Lager des Kunden verantwortlich. Er hat dabei Einblick in die Lagerbestände des Kunden und liefert bei Unterschreiten eines Mindestbestandes selbstständig nach [2].

 

Die Übernahme von Prozessen vor und nach der Produktion

Neben dem Einkauf und Vertrieb kann ein Dienstleister auch produktionsnahe Prozesse von Chemieunternehmen übernehmen. So können von externen Dienstleistern beispielsweise Felder ausgeführt werden, die nicht kernkompetenzrelevant sind, z. B. Mischungen, Abfüllungen und Verpackung. Dadurch werden Teile der Wertschöpfungskette an Dienstleister übertragen und von diesen zugekauft [2].

Produzenten und Logistikdienstleister als Partner

An der dargestellten Entwicklung zeigt sich, dass Logistikdienstleister, die mit chemischen Produkten und insbesondere Gefahrgütern umgehen, neben logistischen Kompetenzen zunehmend auch produkttechnisches und chemisches Know-how benötigen.
Außerdem werden Logistikdienstleister vermehrt in die Prozesse ihrer Kunden integriert. Optimierungen beziehen sich somit nicht mehr nur auf das eigene Unternehmen. Zunehmend werden auch unternehmensübergreifende Ziele verfolgt. Chemieunternehmen und Logistikdienstleister entwickeln sich so zu Kooperationspartnern und die Supply Chain Supply Chain -Orientierung nimmt zu.

Literatur-Empfehlungen

Pharma Supply Chain. Neue Wege zu einer effizienten Wertschöpfungskette | Ewers / Küppers / Weinmann 2002

The Chemical and Pharmaceutical Industry in China | Festel / Kreimeyer / Oels / von Zedtwitz 2005

Quellen

[1] Produktionslogistik in der chemischen Industrie | Loos 1997
[2] Supply Chain Management in der Chemieindustrie | Kusterer 2003. In: Controlling - jetzt aktiv steuern, nicht nur kontrollieren | Reichmann (Hrsg.)

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