Die vielfältigen Facetten der Kontrakt-Logistik
Die Leistungen der Kontrakt-Logistik werden ganz individuell auf den einzelnen Kunden zugeschnitten. Daher sind die Facetten der Kontrakt-Logistik so vielfältig wie die Kundenanforderungen selbst. Sie reichen von der zeitgenauen Belieferung von Zulieferteilen in der Automobilindustrie an das Produktionsband über den Betrieb von Logistikzentren bis zum Ausstatten der berühmten Tequila-Flaschen mit ihrem roten Sombrero. Ausgewählte Kontrakt-Logistikleistungen sollen im Folgenden die Vielfalt dieses Leistungsbereichs zeigen.
Punktgenaue Anlieferung ans Band
Just-in-Time Just-in-Time und Just-in-Sequence Just-in-Sequence sind Begriffe, die mit der Automobilindustrie fest verbunden sind. Bei diesen Konzepten werden die Materialien, die für den Produktionsprozess notwendig sind, zum richtigen Zeitpunkt und in der richtigen Reihenfolge direkt an den Verbrauchsort angeliefert. So kann das kostenintensive Lagern aller möglichen Teile entfallen, die z. B. für die zahlreichen Automobilvarianten mit unterschiedlichen Farben, Ausstattungen und Sitzbezügen benötigt werden.
Durch die produktionssynchrone Anlieferung ganzer Komponenten wie Autositze können zudem schlankere und flussorientierte Strukturen umgesetzt werden. Sollte der Produktionsprozess wegen fehlender Teile jedoch gestört werden, sind die dadurch entstehenden Kosten enorm hoch. Die Verlader Verlader bzw. die Automobilhersteller und die Kontraktdienstleister arbeiten daher eng und vertrauensvoll zusammen, um eine verlässliche Versorgung zu garantieren. Kontrakt-Logistiker übernehmen also die Versorgung der Produktion mit Teilen der Zulieferer direkt ans Montageband.
Lieferantenparks
Mittlerweile etablieren sich häufig so genannte Industrie- oder Lieferantenparks, um eine verlässliche Versorgung auf hohem Niveau zu realisieren. Dazu siedeln sich mehrere Lieferanten in der Nähe des Kunden an und bilden eine Standortgemeinschaft. Kontraktdienstleister übernehmen dann die taktgenaue Versorgung des Kunden mit den Erzeugnissen aller Lieferanten.
Häufig führen Kontrakt-Logistikdienstleister darüber hinaus sogar einfache Montagetätigkeiten aus. Beispielsweise bauen sie Instrumententafeln zusammen oder montieren ganze Cockpits, die anschließend sekundengenau an das Montageband angeliefert werden. Mit Lieferantenparks werden Logistikdienstleister somit zur Schnittstelle zwischen den Automobilherstellern und den Zuliefern.
Weltweiter Transport zerlegter Fahrzeuge
Hohe Eingangszölle für Fertigprodukte in Auslandsmärkten veranlassen Unternehmen häufig dazu, die für das Endprodukt benötigten Teile in einzelnen Bausätzen vorzuproduzieren. Diese werden dann in das Auslandsland versendet und erst dort fertig montiert. Diese Praxis des so genannten Completely Knocked Down Completely Knocked Down (CKD, komplett zerlegt) oder Semi Knocked Down Semi Knocked Down (SKD, teilzerlegt) stellt jedoch hohe Anforderungen an die Logistik. Dies betrifft insbesondere den hohen Verpackungs- und Kontrollaufwand. Zudem werden - aufgrund der engen Verknüpfung mit den Produktionsplänen des Empfängerwerkes - hohe Anforderungen an die Termintreue gestellt. Zahlreiche Unternehmen überlassen daher diese Aufgaben Logistikspezialisten als Kontrakt-Logistikleistung.
Aus weiß wird später bunt
Die Textilproduktion in Asien ist günstig - der Transport bis nach Europa dauert aber einige Wochen. Gerade in der schnelllebigen Textilbranche sind daher Lösungen gefordert, mit denen diesem Problem begegnet werden kann. Um die günstigen Herstellungskosten zu nutzen, produzieren viele Textilunternehmen Massenwaren wie weiße T-Shirts vor und färben sie erst vor Ort in Europa ein. So können die T-Shirts problemlos und schnell an aktuelle Trends angepasst werden. Dieses Prinzip des Postponements bzw. Aufschiebens Aufschieben hat zum Ziel, Produkte möglichst lange am Anfang des Logistikkanals Logistikkanal ohne Zuordnung zu einem Kunden oder Teilmarkt in einem neutralen Zustand zu halten. Die kundenindividuelle Differenzierung des Produktes - wie beispielsweise das Einfärben - erfolgt dabei erst spät.
Postponement ist besonders bei einer großen Anzahl an Produktvarianten und weit verstreuten Kunden sinnvoll. Denn in diesem Fall ist es kaum möglich abzuschätzen, zu welchem Zeitpunkt und in welcher Menge eine Produktvariante bei einem bestimmten Kunden benötigt wird. Kontrakt-Logistikdienstleister übernehmen heute bereits vielfach diesen letzten Fertigungsschritt, bevor die Textilien an die Kunden ausgeliefert werden. Die Aufgaben gehen somit über den reinen Transport von A nach B weit hinaus.
Zusatzdienstleistungen im Lager
Dass Kontrakt-Logistik mehr als Transport und Lagerung ist, zeigt sich auch am Beispiel der bekannten Sierra Tequila-Flaschen. Diese werden von einem Logistikdienstleister zunächst ohne Hut gelagert.
Erst später werden die gelagerten Flaschen von Mitarbeitern des Logistikdienstleisters mit ihrem Markenzeichen - dem roten Sombrero - versehen und im Anschluss so zusammengestellt, dass sie an die einzelnen Supermärkte ausgeliefert werden können.
Logistikzentren für den After-Sales-Service
Maschinen und Anlagen bestehen aus unzähligen Teilen. Beim Ausfall eines Teiles will kein Kunde lange Wartezeiten hinnehmen. Dies bringt hohe Anforderungen an die Ersatzteil- bzw. After-Sales-Logistik mit sich. Denn um einem hohen Servicegrad bei Reparaturen und Retouren zu gewährleisten, müssen Ersatzteile entsprechend gelagert werden.
Kontrakt-Logistikdienstleister betreiben in der After-Sales-Logistik z. B. Distributionszentren Distributionszentrum . Sie übernehmen dabei die gesamte Ersatzteilversorgung für ihre Kunden. Neben der Lagerung werden Ersatzteile dabei auch bei ihrem Wareneingang geprüft und in die Reparaturkreisläufe eingeschleust. Schließlich erfolgen auch die Neuverpackung und die wiederholte Auslieferung an den Kunden.
Literatur-Empfehlungen
Handbuch Kontrakt-Logistik | Stölzle / Weber / Hofmann / Wallenburg 2007


