Die optimale Lösung in Bezug auf den Bezug
In der heutigen, global vernetzen Welt stehen einem Unternehmen für den Materialbezug viele Möglichkeiten offen. So muss sich ein Unternehmen Gedanken über die Zahl der Lieferanten, die Beschaffungszeit, die Beschaffungsmenge und den Beschaffungsort machen. Zudem stellt sich z. B. die Frage, ob es sinnvoller ist, einen lokalen Lieferanten oder viele verschiedene und mitunter weit entfernte Lieferanten auszuwählen. Ebenso muss abgewogen werden, ob ein Zulieferer Just-in-time anliefern oder ein eigenes Pufferlager zwischengeschaltet werden soll. Nur mit einer ausgereiften Bezugspolitik können solche Fragen beantwortet und Chancen optimal genutzt werden.
Bester Bezug aus sicherer Quelle
Zwischen Beschaffungskanälen und der Beschaffungs-Logistik besteht eine besondere Beziehung. Eine wesentliche Entscheidung der Bezugspolitik betrifft die Festlegung des Beschaffungsweges, z. B. als Direktbezug oder Beschaffung über Beschaffungshelfer wie Einkaufsagenten oder den Großhandel. Diese Entscheidung wird aber stark von der Absatzwegepolitik der Lieferanten bestimmt. Aufgrund der Analogie zwischen den entsprechenden Entscheidungen in der Distributions- und Bezugspolitik können die Ausführungen zur Distributionspolitik hier übertragen werden [1].
Lediglich drei Punkte müssen besonders hervorgehoben werden:
- das Problem der Anzahl der Lieferanten,
- das Problem der Beschaffungszeit und
- das Problem der geografischen Anordnung der Lieferanten.
Die Anzahl an Lieferanten
Eine große Anzahl von Lieferanten beim Multi Sourcing Multiple Sourcing vermindert das Risiko der Abhängigkeit. Sie schützt so beispielsweise vor Lieferausfällen durch Produktionsstörungen bei einzelnen Lieferanten. Andererseits belastet sie aber das System der Beschaffungs-Logistik sehr stark und führt zu einer hohen Komplexität.
In der Automobilindustrie wird die Fertigungstiefe ständig reduziert. Automobilhersteller montieren teilweise nur Baugruppen, die von Lieferanten vorgefertigt werden, z. B. komplett montierte Sitze, Türen und Cockpits. Für solche Baugruppen wird die Lieferantenanzahl häufig auf einen Lieferanten (Single Sourcing Single Sourcing ) oder zwei Lieferanten (Double Sourcing) reduziert. Auf diese Weise können auch die Koordinations- und Logistikkosten minimiert werden. Durch eine unternehmensübergreifende Planung und Steuerung können die Material- und Informationsflüsse vom Lieferanten zum Abnehmer effizienter gestaltet werden. Wenn besonders enge Beziehungen zum Lieferanten aufgebaut werden müssen - wie z. B. bei einer Just-in-Time-Lieferung Just-in-Time - ist eine Verminderung der Lieferantenanzahl unumgänglich.
Dies zeigt sich in dem Trend zum Single Sourcing Single Sourcing oder Double Sourcing. Dabei können die Komplexität des Beschaffungsprogramms reduziert, eine wirtschaftliche Losgröße erreicht, die Qualitätssicherung vereinfacht und die Transaktionskosten gesenkt werden. Gleichzeitig wird das Risiko der Abhängigkeit von den Lieferanten erhöht [1].
Die Beschaffungszeit
Eine weitere Frage ist, in welchem zeitlichen Rahmen die Materialien von außen für das Unternehmen bereitgestellt werden. Hierfür gibt es grundsätzlich drei Möglichkeiten [2, 3]:
- Einzelbeschaffung im Bedarfsfall: Bei der Einzelbeschaffung im Bedarfsfall werden die benötigten Materialien erst nach Auftreten des Bedarfs beschafft. So lassen sich die Lagerkosten und die Kapitalbindung durch bevorratete Beschaffungsobjekte auf ein Minimum senken. Nachteilig ist jedoch, dass die Produktion eventuell bis zum Eintreffen des Materials verzögert wird. Falls vereinbarte Lieferzeiten Lieferzeit gegenüber dem Kunden nicht mehr eingehalten werden, können so die Fehlmengenkosten die Einsparungen aufgrund der geringen Kapitalbindung leicht übersteigen.
- Beschaffung mit Vorratshaltung: Bei der Beschaffung mit Vorratshaltung werden die Materialien im eigenen Unternehmen für die interne Materialbereitstellung Materialbereitstellung gelagert. So kann ein auftretender Bedarf innerhalb kürzester Zeit gestillt werden. Damit ist das Unternehmen unabhängiger von Schwankungen oder Unzuverlässigkeiten bei der Zulieferung. Darüber hinaus schließt eine Vorratshaltung auch den Einkauf größerer Mengen ein. Bei der Materialbeschaffung lassen sich so z. B. Kosteneinsparungen durch Mengenrabatte realisieren. Andererseits ist bei dieser Strategie durch die bevorrateten Materialen aber auch die Kapitalbindung höher. Zudem steigen die Lagerkosten.
- Just-in-time-Anlieferung: Ein Kunde kann sein neues Auto heute nach eigenem Wunsch bestellen und diesen - häufig sogar bis eine Woche vor der Lieferung - noch ändern. Diese Leistung könnte der Autohersteller ohne ein produktions- bzw. einsatzsynchrones Anlieferungskonzept nicht gewährleisten. Mit dieser Just-in-Time- Just-in-Time (JIT) oder Just-in-Sequence- Just-in-Sequence (JIS) Anlieferung wird der Materialfluss zwischen Anbieter und Abnehmer optimiert. So werden kurze Durchlaufzeiten des Materials, eine niedrigere Kapitalbindung und geringere Lagerkosten erreicht. Das JIT-Konzept erfordert aber äußert zuverlässige Lieferanten. Darüber hinaus bildet ein intensiver Informationsaustausch die Basis dieser engen Zusammenarbeit.
Geografische Gesichtspunkte
„Made in China“, „Made in India“ oder „Made in Thailand“ - die Beschaffung aus Asien ist heutzutage ein heißes Diskussionsthema. Spielzeuge, Elektrogeräte, Kleider und auch andere Produkte werden immer häufiger in Asien, Osteuropa, Südamerika oder zukünftig vielleicht auch in Afrika produziert. Diese durch die Globalisierung Globalisierung ermöglichte internationale Beschaffung, häufig als Global Sourcing Global Sourcing bezeichnet, bietet neue Chancen auf dem Weltmarkt, z. B. die Ausnutzung von Preis- und Wechselkursvorteilen sowie die Sicherung der Lieferkapazität in Zeiten der Marktverknappung. Darüber hinaus kann das Beschaffungsrisiko, z. B. aufgrund von Streiks oder geografischen Unterschieden, vermieden werden. Dem stehen aber längere Transportentfernungen und damit höhere Transportkosten, komplexere Transportprozesse, längere Lieferzeiten, größere Unterwegsbestände und eine geringere Lieferzuverlässigkeit [Lieferzuverlässigkeit] gegenüber. Zudem steigt durch eine zunehmende Zahl von Transaktionspartnern die Komplexität des Informationsflusses, so dass auch die Kosten der Koordination tendenziell ansteigen.
Grundsätzlich ist eine Konzentration der Lieferanten, die in möglichst geringer Entfernung zum Unternehmen liegen, aus Sicht der Beschaffungs-Logistik vorteilhaft. Die Transportkosten und die Komplexität der Transportprozesse sind dabei deutlich geringer. Dieses „Local Sourcing Local Sourcing “ bietet gegenüber dem „Global Sourcing Global Sourcing “ die Vorteile einer kürzeren Lieferzeit Lieferzeit , geringerer Kapitalbindung der Unterwegsbestände, höherer Lieferzuverlässigkeit [Lieferzuverlässigkeit] und schnellerer Reaktion in Notfällen [1].
Literatur-Empfehlungen
Purchasing and Supply Chain Management | Quayle 2006
Logistiksysteme | Pfohl 2004
Gower Handbook of Purchasing Management | Day 2002
Strategisches Beschaffungsmanagement | Large 2006
Quellen
[1] Logistiksysteme | Pfohl 2004
[2] Sourcing-Konzepte | Arnold 1996. In: Handwörterbuch der Produktionswirtschaft | Kern (Hrsg.)
[3] Das Just-in-time-Konzept: Produktion und Zulieferung auf Abruf | Wildemann 2001


