Von Produkten und Produktivität
Viele Unternehmen stehen vor der Frage, ob sie die für die Produktion benötigten Güter selbst produzieren oder einkaufen sollen. Diese produktpolitische Entscheidung hat große Auswirkungen auf die Beschaffungs-Logistik des Unternehmens und sollte daher mitberücksichtigt werden. So können Einsparungen in der Produktion oder Lagerung z. B. durch höhere Logistikkosten wieder ausgeglichen werden. Ähnlich verhält es sich beim Beschaffungsprogramm oder bei der Produktgestaltung eines Unternehmens. Auch hier ist ein Einbezug der Logistik wichtig, um produktiv arbeiten zu können.
Optimales Programm für geringe Kosten
In einem Beschaffungsprogramm wird festgelegt, welche Güterarten in welchen Mengen und in welcher zeitlichen Verteilung innerhalb eines Planungszeitraums bezogen werden.
Von Bedeutung für die Beschaffungs-Logistik sind zunächst Entscheidungen über eine Ausdehnung des Beschaffungsprogramms. Diese kann sich z. B. aus Wünschen der Forschung und Entwicklung bzw. der Produktion nach spezifischen Einsatzgütern ergeben. Da eine solche Ausdehnung in der Regel mit Steigerungen der Logistikkosten, besonders der Lagerhaltungskosten, verbunden ist, sollte der Umfang eines Beschaffungsprogramms möglichst gering gehalten werden. Durch eine Standardisierung der Einsatzgüter mit Hilfe von Normung und der Verwendung bereits zusammengesetzter Vorprodukte wird dieses Bestreben unterstützt.
Im Rahmen der Produktgestaltung sind zudem die notwendigen Verpackungsmaterialien zu beachten. Aus Logistiksicht sollte möglichst ein Verpackungsmaterial verwendet werden, das sich einfach transportieren und lagern lässt und möglichst wenig Lagerraum benötigt. Dies ist z. B. bei faltbarem Verpackungsmaterial der Fall [1].
Eigenproduktion oder Fremdbezug
In engem Zusammenhang mit der Festlegung des Beschaffungsprogramms steht auch die Frage, ob Einsatzgüter der Produktion selbst hergestellt oder fremd bezogen werden sollen. Diese Fragestellung wird auch als Make-or-Buy Make-or-Buy bezeichnet. In den letzten Jahren war in einigen Branchen ein Trend zur Verringerung der Fertigungstiefe im Unternehmen zugunsten einer Steigerung des Fremdbezugs zu beobachten [2]. Das führt zu einer Ausweitung des Beschaffungsprogramms und tendenziell zu einer Erhöhung der Komplexität der Beschaffungs-Logistik Beschaffungs-Logistik , da die Anzahl und die Intensität der Lieferanten-Abnehmer-Beziehungen zunehmen [1].
Abhängig vom zu beschaffenden Objekt, lassen sich zwei Beschaffungskonzepte unterscheiden: Unit Sourcing und Modular Sourcing. Entscheidend ist hierbei, ob ein einzelnes Teil oder eine Baugruppe beschafft wird. Stellt man sich ein Auto vor, so besteht das Auto aus tausenden von Einzelteilen bzw. Units. Unternehmen gehen deshalb häufig dazu über, anstatt der Einzelteile ganze Module - d. h. Funktionsgruppen, Baugruppen oder Komponenten mit komplexer Struktur - von einem Modul- bzw. Systemlieferanten zu beziehen. So werden z. B. bei Automobilherstellern komplett montierte Sitze, Cockpits oder Türen angeliefert. Dieses Beschaffungskonzept wird „Modular Sourcing“ genannt. Es bietet den Vorteil, dass ein Unternehmen sich auf seine Kernkompetenz konzentrieren kann und die logistische Komplexität abgebaut wird.
Literatur-Empfehlungen
Purchasing and Supply Chain Management | Quayle 2006
Logistiksysteme | Pfohl 2004
Gower Handbook of Purchasing Management | Day 2002
Strategisches Beschaffungsmanagement | Large 2006
Quellen
[1] Logistiksysteme | Pfohl 2004
[2] Just-in-Time-orientierte Fertigungs- und Logistikstrategien | Eisenkopf 1994


