Das Denken in großen Zusammenhängen

Unternehmerische Wertschöpfungsprozesse sind ebenso wie Logistikaktivitäten durch eine Vielzahl wechselseitiger Abhängigkeiten gekennzeichnet. Eine Vernachlässigung dieser Zusammenhänge kann für Unternehmen schnell zu großen Kostennachteilen führen. Moderne Logistikkonzepte sind deshalb durch ein neues System- und Gesamtkostendenken geprägt. Unternehmerische Gesamtzusammenhänge und Interdependenzen werden dabei von Anfang an berücksichtigt, um Kosten zu minimieren.

Interdependenzen erfordern Systemdenken

Grundlegend für die Logistik ist das Denken in Systemen. Dabei werden viele einzelne Elemente berücksichtigt, die zueinander in Beziehung stehen. Das gesamte Logistiksystem lässt sich beispielsweise nach den Verrichtungen einteilen, die ausgeübt werden: also in die Auftragsabwicklung Auftragsabwicklung , die Lagerhaltung Lagerhaltung , das Lagerhaus Lagerhaus , die Verpackung Verpackung und den Transport Transport . Darüber hinaus kann auch nach den Phasen des Güter- und Informationsflusses unterschieden werden: in die Beschaffungs- Beschaffungs-Logistik , Produktions- Produktions-Logistik , Distributions- Distributions-Logistik , Entsorgungs- Entsorgungs-Logistik und Ersatzteillogistik Ersatzteil-Logistik .
Für die Erklärung des gesamten Logistiksystems reicht es aber nicht aus, nur die einzelnen Elemente isoliert voneinander zu betrachten. Ebenso wenig genügt es, das System als Ganzes zu betrachten. Erst die Betrachtung aller einzelnen Elemente und ihrer Wechselwirkungen untereinander gibt Aufschluss über das gesamte Logistiksystem.
Mit dem Systemdenken soll vermieden werden, bei logistischen Entscheidungen suboptimale Insellösungen zu erreichen, z. B. Lösungen, die lediglich für die Lagerhaltung Lagerhaltung optimal sind. Unter der Berücksichtigung von Ressourcen- und Prozessinterdependenzen werden vielmehr optimale Gesamtlösungen angestrebt [1].

Gesamtkosten als Gradmesser des Erfolgs

Eine Interdependenz existiert nicht nur zwischen den Elementen eines Logistiksystems selbst. Sie besteht auch bei den Kosten, die durch die einzelnen Elemente verursacht werden. So kann die Kostensenkung in einem logistischen Teilsystem zu einem Kostenanstieg in einem anderen Teilsystem führen. Unter Umständen können so sogar die Kosten für das gesamte Logistiksystem steigen.
Das Gesamt- oder Totalkostendenken ist für Logistikentscheidungen von großer Bedeutung, weil Logistiksysteme von einer Vielzahl von Kostenkonflikten gekennzeichnet sind [1].

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Beispiel 1: Reduzierung der Auftragsabwicklungskosten durch Konsolidierung von Bestellungen

Bei einer Konsolidierung von Bestellungen können die Transporte besser ausgelastet und die Transportfrequenzen verringert werden. Allerdings können die Lagerbestände ansteigen, da mehr Güter zum selben Zeitpunkt angeliefert werden. Unter Umständen reichen dazu die Lagerkapazitäten nicht aus, so dass ein größeres Lagerhaus erforderlich ist. Vorteilhaft kann die Konsolidierung der Bestellungen für die Verpackung sein, wenn größere Verpackungseinheiten wie Paletten verwendet werden können.

 

Beispiel 2: Reduzierung der Lagerbestandskosten durch Just-in-time-Lieferung

Da eine Just-in-time-Anlieferung von Gütern erst dann erfolgt, wenn diese benötigt werden, kann eine Lagerhaltung entfallen. Somit kann auch auf ein Lagerhaus verzichtet werden. Allerdings werden unter Umständen zur Sicherheit noch Pufferlager Sicherheitsbestand errichtet. Bei Just-in-time-Anlieferungen steigen die Anlieferfrequenz und somit auch die Transportkosten der Anlieferung. Zudem kann die Verpackung einen höheren Aufwand erfordern, wenn die geringeren Transportlose aufwändiger verpackt werden müssen. Bei der Just-in-time-Anlieferung erhält der Lieferant die Bestellungen häufig elektronisch, so dass sich auch der Aufwand der Auftragsabwicklung reduziert.

 

Beispiel 3: Reduzierung der Lagerhauskosten durch Errichtung eines Zentrallagers

Durch die Errichtung von Zentrallagern verringern sich die Transportkosten zur Versorgung der Lagerhäuser. Allerdings können die Transportkosten zur Auslieferung aufgrund weiterer Entfernungen ansteigen. Lagerbestände können wiederum reduziert werden, da nur noch in einem Lager Sicherheitsbestände benötigt werden. Sowohl bei der Verpackung als auch bei der Auftragsabwicklung können Economies of Scale erzielt werden, z. B. bei Verpackungsmitteln oder automatisierten Abwicklungsprozessen.

Weitere Interdependenzen der Logistik

Abhängigkeiten bestehen nicht nur zwischen den logistischen Teilsystemen. Das Systemdenken umfasst darüber hinaus auch die Berücksichtigung von Prozessen, die an die Logistik angrenzen. So haben beispielsweise Entscheidungen in der Produktion über die Fertigungslosgröße einen direkten Einfluss auf die Lagerhaltungskosten. Denn je höher die Fertigungslosgröße ist, desto mehr Produkte werden hergestellt. Diese müssen wiederum gelagert werden, so dass die Kosten für die Lagerhaltung ansteigen. Allerdings ist die Produktion bestrebt, die Fertigungslosgröße hoch zu halten, da Maschinen dann seltener umgerüstet werden müssen und so Kosten eingespart werden können. Gemeinsam mit der Produktion muss die Logistik daher einen Weg finden, die Gesamtkosten zu optimieren.

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Literatur-Empfehlungen

Cost Management in Supply Chains | Seuring / Goldbach 2002

Logistiksysteme | Pfohl 2004

Quellen

[1] Logistiksysteme | Pfohl 2004

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URL zu diesem Artikel

http://www.dhl-discoverlogistics.com/cms/de/course/origin/characteristics/cost_orientation.jsp