Der passende Lieferservice für jedes Produkt
Die Strategie des Funktionsbereiches Logistik legt insbesondere die Gestaltung des Lieferservices fest. Dabei müssen z. B. ökonomische, technische und rechtliche Rahmenbedingungen beachtet werden. Zudem spielt auch das angebotene Produkt eine entscheidende Rolle bei der Wahl des Lieferservices. So gibt es einerseits verschiedene Konsumgüter, die Unternehmen Privatkunden anbieten, und andererseits Produktivgüter, die im B2B-Bereich zu finden sind.
Verschiedene Lieferservices für verschiedene Produkte
In funktionalen Strategien werden die Auswirkungen aus den Unternehmensgesamtstrategien und Geschäftsstrategien auf die Funktionsbereiche eines Unternehmens detailliert dargestellt. Dabei ist in einem Produktionsunternehmen im Funktionsbereich Logistik besonders der Lieferservice Lieferservice , der dem Kunden angeboten wird, von Interesse.
Lieferservice für Konsumgüter
Nach dem Einkaufsverhalten können im Wesentlichen vier verschiedene Konsumgüter unterschieden werden [1]:
- Güter des mühelosen Kaufs [Güter des mühelosen Kaufs] bzw. „Convenience Goods“
- Güter des Such- und Vergleichskaufs [Güter des Such- und Vergleichskaufs] bzw. „Shopping Goods“
- Güter des Spezialkaufs [Güter des Spezialkaufs] bzw. „Speciality Goods“
- Güter des fremdinitiierten Kaufs [Güter des fremdinitiierten Kaufs] bzw. „Unsought Goods“
Jedes dieser Güter hat spezielle Anforderungen an den Lieferservice Lieferservice . Ein unzureichender Lieferservice wirkt sich wiederum unterschiedlich stark auf den Umsatz von Händlern und Herstellern aus. So sind bei Gütern des Regelkaufs sowie des Dringlichkeitskaufs vor allem die Hersteller an einer steten Verfügbarkeit der Güter interessiert, da Kunden andernfalls nicht auf den Kauf verzichten, sondern auf Substitutionsgüter anderer Hersteller zurückgreifen. Ähnlich verhält es sich bei Gütern des fremdinitiierten Kaufs. Ist dabei die sofortige Verfügbarkeit der Güter nicht gewährleistet, kann ein z. B. durch Werbemaßnahmen geweckter Bedarf nicht befriedigt werden. Bei Gütern des Spontankaufs hat dagegen nicht nur der Hersteller, sondern auch der Händler ein vitales Interesse an der Verfügbarkeit jener Güter, da nicht präsente Ware auch für ihn Umsatzeinbußen zur Folge hat. Bei Gütern des Such- und Vergleichskaufs ist die Bedeutung des Lieferservices schließlich weniger eindeutig einzuschätzen als bei den anderen Güterklassen. Beim „Intra-Shop“-Vergleich liegt sie eher beim Hersteller, beim „Inter-Shop“-Vergleich eher beim Händler [2, 3].
Güter des RegelkaufsGüter des Regelkaufs (Convenience Goods) werden von Kunden wiederholt mit hoher Regelmäßigkeit gekauft. Präsenzlücken bzw. Fehlmengen bei dem zunächst bevorzugten Gut werden durch vorhandene Güter ersetzt. Der Handel ist also in der Lage, bei solchen Gütern durch akzeptable Substitutionsgüter den Lieferservice zu erhöhen. |
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Güter des SpontankaufsBei den Gütern des Spontankaufs (Convenience Goods) lösen die Präsenz und die Präsentationsform der Güter die Kaufreaktion aus. So finden z. B. beim Sichtkontakt mit vorhandener Ware spontane Zusatzkäufe statt oder ausverkaufte Güter werden spontan durch vorhandene ersetzt. |
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Güter des DringlichkeitskaufsBei Gütern des Dringlichkeitskaufs (Convenience Goods) besteht keine Fixierung auf eine bestimmte Marke. Vielmehr ist der Käufer gegenüber vergleichbaren Produkten eher gleichgültig, da er das Produkt dringend benötigt. Präsenzlücken bei dem bevorzugten Gut führen aufgrund der Notsituation des Käufers deshalb zum Ersatz durch vorhandene Güter. |
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Güter des Such- und VergleichskaufsBei den Gütern des Such- und Vergleichskaufs (Shopping Goods) entscheidet sich der Käufer erst nach intensiven Vergleichen für ein Produkt. Zu unterscheiden sind hierbei der „Inter-Shop“- und „Intra-Shop“-Vergleich. Bei „Inter-Shop“-Vergleichen sucht ein Käufer auf jeden Fall mehrere Geschäfte auf, während er sich beim „Intra-Shop“-Vergleich auf das Aufsuchen eines einzigen Geschäftes mit konzentriertem Angebot beschränkt. |
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Güter des SpezialkaufsGüter des Spezialkaufs (Specialty Goods) zeichnen sich durch einen hohen Grad an Produktdifferenzierung und Markentreue aus. In den Augen des Käufers weisen diese Güter so einzigartige Eigenschaften auf, dass er bereit ist, bei auftretenden Fehlmengen seinen Kauf aufzuschieben und zu warten, bis die Fehlmenge beseitigt ist. |
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Güter des fremdinitiierten KaufsBei Gütern des fremdinitiierten Kaufs (Unsought Goods) kennt der Verbraucher die Produkte noch nicht oder sie sind ihm zwar bekannt, aber er denkt noch nicht an die Anschaffung. Bei diesen Gütern ist also primär die Marketing-Kommunikation gefragt. |
Lieferservice für Konsumgüter
Lieferservice für Produktivgüter
Auch für Produktivgüter [Produktivgüter], das heißt Güter, die von Unternehmen für Unternehmen angeboten werden, lassen sich Produkt- und Geschäftstypologien finden, die Aufschlüsse über die Bedeutung des Lieferservices Lieferservice zulassen. Es können unspezifische, anbieterspezifische, abnehmerspezifische und beziehungsspezifische Produktivgüter unterschieden werden [4]. Die Anforderungen an den Lieferservice differieren entsprechend. Kurze Lieferzeiten spielen für nahezu alle Produktivgüter eine große Rolle spielen - einzige Ausnahme bilden die abnehmerspezifischen Produktivgüter. Weiterhin zählt die Lieferungsbeschaffenheit Lieferungsbeschaffenheit insbesondere bei un- und beziehungsspezifischen Gütern. Für den Lieferservice von abnehmer- und beziehungsspezifischen Produktivgütern ist zudem die Lieferzuverlässigkeit [Lieferzuverlässigkeit] von hoher Relevanz, für abnehmerspezifische Güter zusätzlich auch die Lieferflexibilität [Lieferflexibität]. Erfüllt ein Lieferant die an ihn gestellten Anforderungen nur unzureichend, kann ein Lieferantenwechsel erfolgen. Bei unspezifischen Produktivgütern ist dies kurzfristig möglich, bei anbieter-, abnehmer- und beziehungsspezifischen Gütern dagegen nur langfristig [3].
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Unspezifische ProduktivgüterFür Lieferanten von unspezifischen Produktivgütern wie Normteilen und unspezifischen Rohstoffen ist neben der Fähigkeit, niedrige Preise zu gewähren, eine hohe Logistikfähigkeit von großer Bedeutung - besonders bei den Komponenten Lieferzeit und Lieferungsbeschaffenheit. |
Anbieterspezifische ProduktivgüterAnbieterspezifische Produktivgüter werden nur von einem Anbieter in einer bestimmten Spezifikation angeboten. Dies sind z. B. spezielle Kataloggüter, die keinem Branchenstandard entsprechen. |
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Abnehmerspezifische ProduktivgüterAbnehmerspezifische Produktivgüter werden nur von einem Nachfrager in einer bestimmten Spezifikation benötigt. Dies sind z. B. Teile und Baugruppen, die nach Zeichnung speziell für den Kunden angefertigt werden. Sie sind meist durch eine vergleichsweise lange Produktionszeit gekennzeichnet. |
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Beziehungsspezifische ProduktivgüterFür beziehungsspezifische Produktivgüter ist der wiederholte Bezug über einen festen Zeitraum und eine hohe Anforderung an Lieferzuverlässigkeit und Lieferungsbeschaffenheit typisch. |
Lieferservice für Produktivgüter
Spielraum für die Gestaltung des Lieferservices
Für das logistische Effizienzdenken ist nicht nur das Streben nach niedrigen Logistikkosten und einem hohen Lieferservice Lieferservice maßgeblich. Vielmehr müssen auch die ökonomischen, technischen und rechtlichen Rahmenbedingungen berücksichtigt werden [2].
Ökonomische Rahmenbedingungen
Die ökonomischen Rahmenbedingungen des Lieferservice Lieferservice zielen darauf ab, dass es ein Serviceminimum gibt, das jeder Anbieter leistet. Denn auch wenn Sachgüter beispielsweise von höchster Qualität sind oder extrem niedrige Preise besitzen, lassen sie sich ohne ein Mindestmaß an Servicequalität nicht absetzen [5].
Lieferservicepolitik lässt sich dabei nur in dem serviceoperationalen Bereich betreiben, der über dem Serviceminimum liegt. Mit steigendem Lieferservice nehmen auch die Kosten des Lieferservices zu. Ökonomisch vertretbar ist daher lediglich ein Lieferservice, bei dem die Kosten des Lieferservices unter dem Umsatz liegen [3].
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Technische Rahmenbedingungen
Die technischen Rahmenbedingungen des Lieferservices Lieferservice ergeben sich aus den physischen Produkteigenschaften der Güter, für die logistische Leistungen zu erbringen sind.
Die Anforderungen an den Lieferservice gehen dabei zunächst von natürlichen Produkteigenschaften wie physikalischen, chemischen und biologischen Eigenschaften aus - dies sind beispielsweise die Stoß-, Temperatur-, Strahlungs- und Lagerempfindlichkeit. Hinzu kommen Anforderungen der äußeren Produkteigenschaften wie räumliche Abmessungen und Gewichte [3].
Rechtliche Rahmenbedingungen
Die rechtlichen Rahmenbedingungen, die bei der Formulierung einer Lieferservicestrategie beachtet werden müssen, sind kaum zu überblicken. Zunächst gehören dazu die allgemeinen Normen des Schuldrechts - beispielsweise der Aspekt der Leistungsverzögerung im deutschen Recht nach §280 II BGB und dessen Rechtsfolgen [6]. Hinzu kommt eine Vielzahl spezieller Normen für den Verkehrsbereich. Beispiele dafür sind die Lieferfristen in Artikel 27 COTIF/CIM für den internationalen Eisenbahnverkehr und die Lieferfristen der Kraftverkehrsordnung für den nationalen LKW-Verkehr. Darüber hinaus stellt auch der gesamte Bereich des Umwelthaftungsrechts besondere Anforderungen an die Lieferzuverlässigkeit [Lieferzuverlässigkeit] und -beschaffenheit Lieferungsbeschaffenheit [3].
Literatur-Empfehlungen
Logistikmanagement | Pfohl 2004
Strategic Logistics Management | Stock / Lambert 2001
Strategisches Beschaffungsmanagement | Large 2006
Quellen
[1] Marketing-Management | Kotler / Keller / Bliemel/ Keller 2007
[2] Konzept und Leistungspotential der Marketing-Logistik | Havinghorst 1980
[3] Logistikmanagement | Pfohl 2004
[4] Strategisches Beschaffungsmanagement | Large 2006
[5] Leveraging Logistics / Distribution Capabilities: The Effects of Logistics Servcie on market Share | Daugherty / Stank / Ellinger 1998. In: Journal of Business Logistcis 19(1998)2
[6] Pflichtverletzungen im Schuldrecht. Die Anspruchs- und Rechtsgrundlagen des neuen Schuldrechts | Wilmowsky 2002. In: Beilage zur Juristischen Schulung (2002)1




