Vernetzte Logistik auf allen Ebenen

Die Komplexität heutiger Supply Chains und deren netzwerkartige Struktur lassen den Begriff des Supply Networks als treffender erscheinen. Tatsächlich interagieren die einzelnen Elemente eines Supply Networks auf verschiedenen Ebenen - beispielsweise auf der Finanzebene sowie auf der Güterebene. Die Analyse und Gestaltung effizienter Supply Networks sollte daher diese verschiedenen Ebenen berücksichtigen.

Das Supply Network

Die heutigen Supply Chains Supply Chain sind aufgrund der Vielzahl von beteiligten Zulieferern, Dienstleistern und Kunden, die ihrerseits wiederum an anderen Supply Chains beteiligt sein können, sehr komplexe, interdependente Gebilde. Aufgrund der häufig vorkommenden netzwerkartigen Struktur der zusammenarbeitenden Unternehmen könnte eine Supply Chain daher treffender als Supply Network bezeichnet werden.
Dabei sind die beteiligten Unternehmen in einem Supply Network nicht nur auf der Güterebene, sondern auch auf den Finanz-, Institutions-, Beziehungs- und Informationsebenen miteinander verknüpft.

Güternetz

Die Ebene des Güternetzes umfasst die raum-zeitliche Veränderung von Gütern. Dabei sind die Kernprozesse des Güterflusses die Funktionen Transport, Umschlag und Lagerung. Unterstützungsprozesse sind die Funktionen Verpackung und Signierung. Transportsysteme verbinden dazu als Kanten die Knoten des Güternetzes, d.h. die Produktions-, Lager- und Umschlagssysteme. Das Umschlagen lässt sich weiter unterteilen in Zusammenfassen, Auflösen und Sortieren von Gütern [1].

 

Informationsnetz

Das Informationsnetz umfasst die Summe aller Informations- und Kommunikationssysteme im weitesten Sinne. Neben Computernetzwerken sind dies auch Post, Fax, Telefon sowie alle zur Information und Kommunikation notwendigen Ressourcen. Diese Informations- und Kommunikationssysteme werden durch Kommunikationskanäle verbunden, über die Daten und Informationen als Austauschobjekte fließen. Damit befinden sich auf dieser Ebene auch Aspekte wie Sprache, Konventionen oder Standards [1].

 

Soziales Netz

Netzwerke werden von Menschen aufgebaut und zusammengehalten. Die Mitarbeiter auf der Entscheidungs- und Ausführungsebene bilden mit Mitarbeitern anderer Unternehmen ein Netz von fachlichen und persönlichen Beziehungen - das soziale Netz. Beziehungen halten Netzwerke zusammen. Sie sind gleichzeitig Ergebnis sowie die Basis der Interaktion von Menschen in und zwischen Unternehmen eines Netzwerkes [1].

 

Institutionelles Netz

Als institutionelles Netz werden die rechtlichen und formalen Verknüpfungen mit Verträgen und Vereinbarungen zwischen Unternehmenseinheiten verstanden, aus denen Rechte und Pflichten zwischen den Partnern im Netzwerk entstehen. Während das soziale Netz aus menschlichen Beziehungen besteht, wird das institutionelle Netz aus Beziehungen zwischen Unternehmen geknüpft.
Das institutionelle Netz grenzt sich vom sozialen Netz insbesondere dadurch ab, dass die institutionelle Vernetzung unabhängig von den darin agierenden Menschen ist. Es umfasst jene organisatorischen Verbindungen, die gleich blieben, auch wenn man alle Mitarbeiter austauschen würde [1].

 

Finanznetz

Der Zweck des Güterflusses auf der Güterebene ist es, durch wirtschaftliches Handeln einen monetären Rückfluss für das eigene Unternehmen zu erreichen. Gleichzeitig sind für den Aufbau und Erhalt der Wertschöpfung in Netzwerken Investitionen notwendig und Mittel, um diese zu finanzieren. Nicht zuletzt beruhen viele Verbindungen des institutionellen Netzes auf Kapitalbeteiligungen, Krediten sowie Forderungen und Verbindlichkeiten. Die Summe dieser finanziellen Transaktionen zwischen den Unternehmen im Netzwerk bildet das Finanznetz [1].

Zusammenspiel zwischen den Netzebenen

Zwischen den fünf Netzebenen besteht ein enges Zusammenspiel. Ziel dabei ist durch den Austausch von Gütern Gewinne zu erwirtschaften. Dabei sind die oberste und die unterste Netzebene - also das Finanz- und Güternetz - Ausdruck des Marktes. Die drei dazwischen liegenden Ebenen dienen lediglich der Ermöglichung, Planung und Steuerung der Leistungserstellung. Sie sind Mittel zum Zweck der Gewinnmaximierung auf den Märkten und damit unentbehrlich. So dienen die Informations- und Kommunikationsebene der Koordination der Aktivitäten im Güter- und Finanznetz sowie als Basis für den Aufbau, die Pflege und Nutzung der Akteure in den Unternehmen. Mit wem die Wertschöpfung und letztendlich der Gewinn erzielt wird, hängt von den Unternehmen auf der institutionellen Ebene ab.
Im Bereich des Informations- und Güternetzes liegen bereits zahlreiche Erkenntnisse und Optimierungsvorschläge vor. Auf diesen Ebenen geht es zurzeit im Wesentlichen um Implementierungs- bzw. Umsetzungsfragen.
In Bezug auf das soziale und institutionelle Netz sowie das Finanznetz besteht dagegen noch Unklarheit bei den Unternehmen, welche Kompetenzen zukünftig von Bedeutung sein werden. Die Unternehmen sehen sich beispielsweise Herausforderungen im Hinblick auf die Nutzung gemeinsamer Logistikdienstleister mit Wettbewerbern oder dem Management internationaler Partnerschaften gegenüber. Besonders die Notwendigkeit zur Kooperation mit Wettbewerbern bzw. die Auswahl der Bereiche, in denen diese Zusammenarbeit möglich ist, wird häufig als zukünftige Herausforderung angeführt [1].
Als weitere Aspekte werden der nach wie vor vorhandene Kostendruck sowie Fragen der gemeinsamen Finanzierung von Anlage- und Umlaufvermögen im Bereich der Logistik genannt. Auch die Abbildung des Wertbeitrags der Logistik ist in den Unternehmen stark in der Diskussion [2].

Literatur-Empfehlungen

Netzkompetenz in Supply Chains | Pfohl 2004

Quellen

[1] Netzwerke in der Logistik | Gomm / Trumpfheller 2004. In: Netzkompetenz in Supply Chains | Pfohl (Hrsg.)
[2] Supply Chain Finanzierung | Gomm 2008

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