Alle für eine und eine für alle
Die wachsende Globalisierung hat Auswirkungen auf die gesamte Versorgungskette. Treibende Kräfte sind dabei vor allem eine zunehmende Homogenisierung der Wirtschaftsräume, steigende Kundenanforderungen und neue Entwicklungen in der Informationstechnologie. Um den heutigen Wettbewerbsanforderungen gerecht zu werden, muss über alle Stufen der Versorgungskette hinweg eine Optimierung des Lieferprozesses stattfinden - angefangen bei der Rohstoffgewinnung bis zum Endkunden. Dazu müssen alle beteiligten Unternehmen partnerschaftlich kooperieren. Dieser integrative Ansatz wird als Supply Chain Management bezeichnet.
Partnerschaft in der Versorgungskette
Zwischen Unternehmen in der Supply Chain Supply Chain bzw. der Versorgungskette entwickeln sich immer mehr partnerschaftliche Beziehungen. Dabei sollen durch eine gesamtheitliche Betrachtung der Güter-, Informations-, Finanz- und Rechteströme die Logistikleistungen auf allen Stufen innerhalb der Versorgungskette verbessert werden. Oberstes Ziel ist es, die Effizienz der gesamten Supply Chain zu steigern.
Im Allgemeinen wird unter Supply Chain Management die Integration aller wichtigen Geschäftsprozesse entlang einer Supply Chain Supply Chain verstanden. Dazu werden sowohl innerhalb der jeweiligen Unternehmen als auch zwischen den einzelnen Unternehmen der Supply Chain Synergieeffekte erzielt. Eine zentrale Zielsetzung ist die Kundenorientierung [1].
Mit dem Konzept des Supply Chain Managements wird insbesondere die strategische Sichtweise des Logistikmanagements hervorgehoben. Dabei hat das Supply Chain Management einen großen Einfluss auf die Erreichung der obersten Unternehmensziele wie Wachstum, Gewinn, Unternehmenswert und Kundenorientierung [2].
Darüber hinaus besitzt es ein großes Kostensenkungs- und Qualitätssteigerungspotenzial und ist dazu geeignet, Prozesszeiten zu verkürzen und partnerschaftliche Unternehmensbeziehungen zu intensivieren.
Die im Rahmen des Supply Chain Management zu integrierenden Geschäftsprozesse können nicht isoliert betrachtet werden. Aufgrund zahlreicher Schnittstellen zwischen den einzelnen Prozessen müssen sie vielmehr als ein Gesamtsystem gesehen werden [3].
Kundenbeziehungsmanagement (Customer Relationship Management)
Durch gezieltes Kundenbeziehungsmanagement können Produkt- und Serviceniveaus angeboten werden, die auf die jeweiligen Kundensegmente zugeschnitten sind - so genannte Product Service Agreements, kurz PSA. Auch die Identifikation von Schlüsselkunden und -kundengruppen, die einen hohen strategischen Nutzen für das Unternehmen bieten, ist dabei für das Kundenbeziehungsmanagement wichtig [3].
Kundenservicemanagement (Customer Service Management)
Das Kundenservicemanagement ist das „Gesicht zum Kunden“. Einerseits werden Kunden mit Echtzeit Echtzeit -Informationen wie Produktverfügbarkeitsdaten und Daten zur Sendungsverfolgung versorgt, andererseits erhalten Unternehmen wertvolle Informationen über ihre Kunden. Es beinhaltet das Management und die Verwaltung der PSAs. Einzelne Kundensegmente werden von Kundenservicemanagern bzw. Customer Service Managern betreut [3].
Nachfragemanagement (Demand Management)
Das Nachfragemanagement spielt im Supply Chain Management eine zentrale Rolle. Durch die Variabilität in den Kundenaufträgen ist eine effiziente Nachschubplanung und -steuerung erforderlich, um Kundenwünsche zeitnah zu bedienen. Das Nachfragemanagement bringt somit Kundenwünsche mit den Kapazitäten der Supply Chain Supply Chain in Einklang. Es beinhaltet sowohl ein effizientes Forecasting, als auch die Synchronisation von Angebot und Nachfrage mit der Produktion, der Beschaffung und der Distribution. Zudem erhöht es die Flexibilität in der Produktion und reduziert die Variabilität der Bestände aufgrund des durchgängigen Informationsflusses [3].
Auftragsabwicklung (Order Fulfillment)
Die effiziente Auftragsabwicklung Auftragsabwicklung ist ebenfalls ein wesentlicher Bestandteil des Supply Chain Managements. Ihr Ziel ist es, einen nahtlosen Prozess von den Lieferanten bis hin zu verschiedenen Kundensegmenten zu entwickeln. Dies erfordert die Integration der Produktions-, Absatz- und Distributionspläne [3].
Produktionsflussmanagement (Manufacturing Flow Management)
Im Unterschied zu herkömmlichen Make-to-Stock Make-to-Stock -Produktionen verfolgt das Supply Chain Management häufig das Ziel eines Pull-Prinzips. Im Gegensatz zum Push-Prinzip Push-Prinzip , bei dem anhand von Vergangenheitsdaten und Prognosen produziert wird, wird die Produktion beim Pull-Prinzip Pull-Prinzip erst durch einen Kundenauftrag ausgelöst.
Dies erfordert flexible Prozesse, um schnell auf Marktveränderungen reagieren zu können. Im Speziellen umfasst das Produktionsflussmanagement alle Aktivitäten, die nötig sind, um Produkte durch ein Unternehmen zu leiten und eine flexible Produktion in der Supply Chain Supply Chain zu ermöglichen, zu implementieren und zu managen. Zu beachten ist an dieser Stelle, dass eine erhöhte Flexibilität meist auch mit höheren Investitionen verbunden ist. Vorgelagerte Wertschöpfungsstufen müssen in das Produktionsflussmanagement integriert werden, da die effiziente Produktion des eigenen Unternehmens insbesondere von Lieferanten bestimmt wird [3].
Lieferantenbeziehungsmanagement (Supplier Relationship Management)
Das Lieferantenbeziehungsmanagement kann spiegelbildlich zum Kundenbeziehungsmanagement gesehen werden. Auch hier werden mit jedem Lieferanten Produkt- und Service-Agreements vereinbart, die die Intensität der Beziehungen festlegen. Mit wichtigen Lieferanten werden strategische Pläne ausgearbeitet, die das Produktionsflussmanagement und die Produktentwicklung unterstützen.
Mit einer kleinen Anzahl strategisch bedeutender Lieferanten werden langfristige Partnerschaften eingegangen. Diese Lieferanten werden bereits früh in den Produktentwicklungsprozess eingebunden und können somit erheblich zur Verkürzung der Entwicklungszeit neuer Produkte beitragen [3].
Produktentwicklung und Vermarktung (Product Development and Commercialization)
Der Prozess der Produktentwicklung und Vermarktung zielt darauf ab, Kunden und Lieferanten frühzeitig in den Produktentwicklungsprozess einzubinden, um die Zeit bis zum Markteintritt zu verkürzen.
Dazu ist eine Koordination mit dem Kundenbeziehungsmanagement nötig, das die Wünsche und Bedürfnisse der Kunden identifiziert. Andererseits werden die Lieferanten frühzeitig in die Auswahl von Materialien für neue Produkte eingebunden. Schließlich trägt eine Integration in den Prozess des Produktionsflussmanagement dazu bei, eine entsprechende Produktionstechnologie zu konkretisieren [3].
Produktrückflussmanagement (Returns Management)
Ein effizientes Management des Produktrückflusses zielt nicht nur auf einen effizienten Rückfluss der Produkte. Es trägt auch dazu bei, Chancen zu identifizieren, um ungewollte Rückflüsse zu reduzieren und die Rückführung wieder verwendbarer Assets wie z. B. Behälter zu kontrollieren. Ein effektives Produktrückflussmanagement kann zu einem nachhaltigen Wettbewerbsfaktor führen [3].
Literatur-Empfehlungen
Fundamentals of Logistics Management | Grant / Lambert / Stock / Ellram 2006
Logistics and Supply Chain Management | Christopher 2004
Quellen
[1] Supply Chain Management. Implementation issues and research opportunities | Lambert / Copper / Pagh 1998. In: The International Journal of Logistics Management 9(1998)2
[2] What matters to Top Management? | ELA/Bearing Point 2002
[3] The Supply Chain Management Processes | Croxton / Garcia-Dastugue / Lambert / Rogers 2001. In: The International Journal of Logistics Management 12(2001)2



