Die optimale Taktik für internationale Logistik
Die Ausweitung der logistischen Aktivitäten über die Ländergrenzen hinaus ist für ein Unternehmen mehr als eine Verlängerung der Transportwege. Denn es muss z. B. geklärt werden, wie die Güter ins Ausland gelangen sollen. Zudem stellt sich die Frage, ob das Unternehmen selbst im Ausland tätig wird oder ein externer Experte hinzugezogen werden soll. All diese Fragen lassen sich nur dann abschließend beantworten, wenn die Gesamtstrategie des Unternehmens mit Blick auf das Ausland berücksichtigt wird. Dabei ist eine Strategiefindung lediglich unter Einbeziehung aller Kriterien möglich.
Logistikstrategien nach dem Internationalisierungsgrad
Ebenso wie Logistikaktivitäten Bestandteil der gesamten Wertkette sind und von den anderen Wertaktivitäten abhängen, ist die internationale Logistikstrategie Bestandteil der Internationalisierungsstrategie von Produktionsunternehmen. Welche Logistikstrategie zu wählen ist, kann also nur im Zusammenhang mit der gesamten Internationalisierungsstrategie entschieden werden.
Die Logistikaktivitäten nehmen vom indirekten Export ausgehend über den direkten Export zu. Sie erreichen bei der eigenen Auslandsmontage und bestimmten Formen der eigenen Auslandsproduktion ihr Maximum und nehmen danach bei anderen Formen der Auslandsproduktion und beim globalen Management wieder ab.
Dabei wird der internationale Markteintritt eines Produktionsunternehmens als Beispiel betrachtet. Wie eine internationale Logistikstrategie bei der Wahl einer Internationalisierungsstrategie eines Produktionsunternehmens gestaltet sein kann, zeigt die folgende Tabelle [1].
| Internationalisierungsstrategie eines Produktionsunternehmens | Internationale Logistikstrategie |
|---|---|
| Indirekter Export durch inländisches Exportunternehmen und/oder ausländisches Importunternehmen | Das Unternehmen baut kein spezielles Logistiksystem im Ausland auf, sondern bewältigt die Güter- und Informationsflüsse mit seinem nationalen Logistiksystem bzw. mit fremden Logistiksystemen. |
| Direkter Export durch Lizenzproduktion im Ausland | Der Aufbau eines internationalen Logistiksystems kann vermieden werden. Allerdings ist im Gegensatz zum indirekten Export mehr Einfluss auf den im Ausland anzubietenden Lieferservice möglich. Denn die zu erfüllenden Lieferserviceanforderungen können auch Bestandteil des Lizenzvertrages sein. |
| Direkter Export mit Direktinvestitionen in Logistiksysteme im Ausland | Beim direkten Export kann das investierende Unternehmen ein klassisches Logistiksystem mit einem oder mehreren Lagerhäusern als Vorratslager oder Umschlagslager betreiben. Die ausländischen Kunden werden direkt vom Ursprungsland mit Hilfe schneller Transportmittel beliefert. |
| Auslandsmontage bzw. -produktion durch Joint Ventures oder eigenes Werk | Ein typisches Beispiel für eine Auslandsmontage ist die „CKD-Fertigung (Completely Knocked Down)“ in der Automobilindustrie. Fahrzeugkomponenten definierter Montagestufen werden zu Teilesätzen zusammengestellt und in bestimmte Länder zur Montage exportiert. Besondere Anforderungen werden bei der Versorgung der CKD-Montagewerke an die Verpackung, die Frachtkosten und die terminliche Abstimmung der Anlieferung gestellt. Besteht die Auslandsproduktion darin, dass in einem Kundenland für dieses Land produziert wird, dann resultieren daraus keine neuen Logistikprobleme für das investierende Unternehmen. |
| Globale Unternehmen mit zentralisiertem und/oder dezentralisiertem Management | Globale Märkte mit homogenen Produkten können zu niedrigeren Logistikstückkosten führen, wenn aufgrund von Standardisierungseffekten Auftragsabwicklungs-, Verpackungs-, Bestands- und Lagerhauskosten sinken. Sie können aber auch zu höheren Logistikstückkosten führen, wenn bei der Versorgung der Weltmärkte Kommunikations- und Transportkosten steigen. |
Auswirkungen auf die Logistik beim internationalen Markteintritt eines Produktionsunternehmens
Quelle: Logistiksysteme | Pfohl 2004
Literatur-Empfehlungen
Fundamentals of Logistics Management | Grant / Lambert / Stock / Ellram 2006
Handbook of Global Supply Chain Management | Mentzer / Myers / Stank 2006
Logistiksysteme | Pfohl 2004
Quellen
[1] Logistiksysteme | Pfohl 2004


