Die spezielle Rechnung für die Logistik

In der Logistik stößt der Einsatz einer traditionellen Kosten- und Leistungsrechnung auf Basis der Zuschlagskalkulation an ihre Grenzen. Aufgrund verschiedener Schwierigkeiten ist eine geeignete Zurechnung kaum möglich. Daher bietet es sich an, auf eine prozessorientierte Kostenrechnung umzustellen, die die Kosten der indirekten Leistungsbereiche wie Marketing oder Logistik besser abbilden kann. Auf diese Weise ist es möglich, eine beanspruchungsgerechtere Verteilung dieser Gemeinkosten zu erreichen.

Logistikorientierte Kosten- und Leistungsrechnung

Die Prozesskostenrechnung wird als Ansatz zur Entwicklung einer logistikorientierten Kosten- und Leistungsrechnung vorgeschlagen, um den Problemen der traditionellen Kosten- und Leistungsrechnung bei der Erfassung logistischer Kosten und Leistungen entgegenzuwirken. Diese Probleme umfassen vor allem:

  • die adäquate Abbildung des Logistikbereiches, z. B. die Frage, ob die Wartezeit vor der Rampe zur Transportzeit gehört.
  • die zielgenaue Zurechenbarkeit von Kostenträgern, z. B. die Frage, welchem Auftrag Lagergemeinkosten in welcher Höhe zugerechnet werden.
  • das Fehlen einer geschlossenen Kostentheorie des Logistikbereiches, unter anderem wegen der hohen Komplexität von Kostenfunktionen, z. B. werden Transportkosten durch die Menge und Entfernung, aber auch durch das Streckenprofil und Fahrverhalten bestimmt.

 

Als zentrales Problem der traditionellen Zuschlagskalkulation ergibt sich, dass sich logistische Gemeinkosten nicht verursachungsgerecht als Material-, Fertigungs- oder Vertriebsgemeinkostenzuschläge auf Produkte zurechnen lassen.
Die Idee der Prozesskostenrechnung ist es daher, die im Verlauf von Prozessen anfallenden Kosten genau zu erfassen. Zu diesem Zweck werden die folgenden Phasen durchlaufen [1].

 

Ablauf einer Prozesskostenrechnung

  • Identifizierung der tatsächlichen Einflussgrößen des Leistungs- und Kostenvolumens, der so genannten Prozessgrößen, Bezugsgrößen oder Kostentreiber bzw. „Cost Driver“. Im Unterschied zur traditionellen Kostenrechnung, die im Wesentlichen Stückmengen und -preise in den Mittelpunkt rückt, bezieht die Prozesskostenrechnung neben der Beschäftigung vor allem die Variantenvielfalt, die Produkt- bzw. Produktionsprozesskomplexität und die Auftragsgröße als Kosteneinflussgrößen mit ein.
  • Liegen die Prozessgrößen fest, können die Prozessmengen durch die Auszählung als Anzahl der Materialbestellungen, Anzahl der Materiallieferungen usw. festgestellt werden.
  • Prozesskostensätze lassen sich ermitteln, indem die Kosten, die einem Prozess zugeordnet werden, durch die zugehörigen Prozessmengen dividiert werden.
  • Identifizierte, sachlich zusammenhängende Teilprozesse werden kostenstellenübergreifend zu Hauptprozessen zusammengefasst.

 

Die Verbreitung der Prozesskostenrechnung ist in der Praxis trotz erheblicher Vorteile aufgrund des notwendigen Implementierungsaufwandes noch gering [1].

Literatur-Empfehlungen

Logistikmanagement | Pfohl 2004

Quellen

[1] Logistikmanagement | Pfohl 2004

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URL zu diesem Artikel

http://www.dhl-discoverlogistics.com/cms/de/course/management/logistics_controlling/process_based.jsp