Aufgeschoben und aufgehoben
Während Produktlebenszyklen immer kürzer werden, steigen die Kundenforderungen nach individuellen Lösungen weiter an. Dies erfordert Strategien, um Produktions- und Logistikprozesse sowohl bei unsicheren Nachfrageprognosen als auch bei Kundenaufträgen effizient planen bzw. disponieren zu können. Mit den gegensätzlichen Strategien des Aufschiebens und des Spekulierens kann dabei der optimale Entkopplungspunkt gewählt werden - also der Zeitpunkt, an dem ein Produkt für den Endkunden individualisiert wird.
Entkopplungspunkt 5: EinkaufsteileErst nachdem ein Kundenauftrag vorliegt, beginnt der Einkauf der Rohmaterialien. Es erfolgen somit keine prognosegestützten Aktivitäten. |
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Entkopplungspunkt 4: VorfertigungDie Fertigung beginnt erst, sobald ein Kundenauftrag vorliegt. Dieser Aufschiebetyp ist geeignet für Unternehmen mit einer hohen Anzahl an Produktvarianten. |
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Entkopplungspunkt 3: EndmontageDie Aktivitäten bis zur Endmontage erfolgen prognoseabhängig. Erst wenn ein Kundenauftrag vorliegt, werden die Produkte endmontiert. |
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Entkopplungspunkt 2: ZentrallagerDie Fertigung bis zum Zentrallager stützt sich auf Prognosen. Erst die Auslieferung an ein Auslieferungslager basiert auf Kundenaufträgen. |
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Entkopplungspunkt 1: AuslieferungslagerDie Fertigung und Auslieferung stützt sich auf Prognosen. Erst die Aktivitäten im Auslieferungslager basieren auf Kundenaufträgen. Beispielsweise kann die Verpackung oder die Etikettierung im Auslieferungslager erst bei Vorliegen eines Kundenauftrags erfolgen. |
Entkopplungspunkte im Logistikkanal
Quelle: Logistikmanagement | Pfohl 2004
Grundsatzentscheidung der Prognose- oder Kundenauftragsabhängigkeit
Die Entwicklung zunehmend integrierter Wirtschaftsräume führt zu einer Verringerung zeitlicher Restriktionen. Die Kunden fordern dabei immer häufiger individuelle Problemlösungen. Zudem werden die Produktlebenszyklen tendenziell kürzer. Hohe Lagerbestände sind deshalb ökonomisch nicht mehr tragbar. Darüber hinaus nehmen auf vielen Märkten Nachfrageschwankungen zu, die bei traditionellen Produktions- und Logistikkonzeptionen zu hohen Lagerbeständen führen würden.
Daher werden Strategien benötigt, mit denen Produktions- und Logistikprozesse sowohl bei unsicheren Nachfrageprognosen als auch bei festen Kundenaufträgen effizient geplant bzw. disponiert werden können. Das Aufschieben einer Entscheidung - das so genannte Postponement - und das spekulative Treffen einer Entscheidung im Logistikkanal Logistikkanal - auch als Speculation bezeichnet - sind zwei Strategien, mit denen diese Anforderungen erfüllt werden können [1].
Aufschieben oder spekulieren
„Was Du morgen kannst besorgen, das mache auch erst morgen - denn morgen hast Du mehr Informationen“. Diese Abwandlung des bekannten Sprichworts trifft den Kern der Postponement-Strategie. Dabei wird ein Produkt am Anfang des Logistikkanals Logistikkanal möglichst lang in einem neutralen Zustand gehalten, ohne einem Kunden bzw. Teilmarkt zugeordnet zu werden. Durch das Aufschieben des Entscheidungszeitpunktes kann aufgrund eines kürzeren Prognosezeitraums eine bessere Informationslage genutzt werden. Spekulieren hingegen bedeutet, dass die Kundennachfrage nach einem Produkt prognostiziert und das Produkt bereits frühzeitig an das Ende des Logistikkanals gebracht wird, z. B. in ein Auslieferungslager [1].
Der optimale Entkopplungspunkt
Die für die Aufschiebeentscheidung wichtige Schnittstelle zwischen der erwartungsbezogenen Produktion, die auf Prognosen basiert, und der auftragsbezogenen Produktion, die auf Kundenaufträgen basiert, wird Entkopplungspunkt genannt - englische Synonyme sind Order-Penetration Point sowie Freezing Point. In diesem Entkopplungspunkt sollte die Phase, in der zahlreiche Produktvarianten entstehen, mit dem Punkt zusammenfallen, ab dem die Kundenaufträge den Logistikkanal Logistikkanal steuern. Denn dann können die Varianten ohne Lager- und Veralterungsrisiko gefertigt und verteilt werden.
Bis zum Entkopplungspunkt wird der Güterfluss durch Prognoseinformationen angetrieben - man spricht dabei vom Push-Prinzip Push-Prinzip . Ab dem Entkopplungspunkt wird der Güterfluss durch Kundenaufträge angezogen - dies wird als Pull-Prinzip Pull-Prinzip bezeichnet. Der Entkopplungspunkt sollte daher im Hinblick auf die Lagerhaltungskosten auf einer Ebene mit möglichst niedriger Wertschöpfung angesiedelt werden. Grundsätzlich sind verschiedene Punkte denkbar, an denen der Entkopplungspunkt gesetzt bzw. ein Produkt für den Endkunden individualisiert werden kann [1].
Literatur-Empfehlungen
Logistikmanagement | Pfohl 2004
Strategic Logistics Management | Stock / Lambert 2001
Supply Chain Postponement and Speculation Strategies | Pagh / Cooper 1998 | In: Journal of Business Logistics
Quellen
[1] Logistikmanagement | Pfohl 2004



