Zentral oder dezentral nach Wahl
Die logistische Netzwerkstruktur weist eine horizontale und eine vertikale Dimension auf. Die horizontale Dimension kennzeichnet die Anzahl der Lager einer Stufe. Durch die vertikale Dimension werden die unterschiedlichen Lagerstufen erfasst - also z. B. Werks-, Zentral-, Regional- und Auslieferungslager. Neben Leistungsaspekten spielen bei der optimalen Allokation der Lagerhäuser insbesondere Kostenaspekte eine wichtige Rolle. Unter Berücksichtigung dieser Aspekte wird entschieden, ob Lager zentral oder dezentral verteilt werden.
Die Zahl der Lagerstufen
Bei der vertikalen Zentralisierung stellt sich die Frage, ob vom Werks- oder Zentrallager direkt ausgeliefert oder über weitere Lagerstufen indirekt ausgeliefert werden soll.
Bei indirekter Auslieferung erfolgen in mindestens zwei Lagerstufen ein Transport und eine Kommissionierung Kommissionierung . Das hat den Vorteil, dass die näher am Kunden gelegene Lagerstufe zunächst mit großen Transporteinheiten zu einem niedrigen Transportkostensatz versorgt werden kann. Zudem fällt der höhere Transportkostensatz für die kleineren Transporteinheiten lediglich für die kürzeren Auslieferungsentfernungen zum Kunden an. Tendenziell ist die Errichtung einer zusätzlichen Lagerstufe dabei umso vorteilhafter [1]:
- je höher der Kostenunterschied der beiden Transportkostensätze ist,
- je niedriger die anfallenden Kosten in der zusätzlichen Lagerstufe sind und
- je weiter die zu beliefernden Kunden von schon existierenden Lagern entfernt sind.
Lagerverbundsysteme
Eine Möglichkeit, die Vorteile der Zentralisierung zu nutzen und gleichzeitig damit verbundene Nachteile zu vermeiden, sind Lagerverbundsysteme.
Darunter sind vernetzte, dezentrale Lagersysteme zu verstehen, die durch Querlieferungen miteinander verbunden werden. Bestände werden also nicht physisch, sondern virtuell mit Hilfe eines entsprechenden Informationssystems zentralisiert. Im Bedarfsfall können dann Bestände umgeschichtet werden [1].
Die Anzahl der Lager auf einer Lagerstufe
Für die horizontale Zentralisierung - also die optimale Anzahl der Lagerhäuser auf einer Lagerstufe - spielen neben Leistungsaspekten auch die Logistikkosten eine wichtige Rolle.
Der Umsatz eines Lagers hängt dabei meist direkt von der Lageranzahl ab. Je größer die Anzahl der Lager pro Stufe ist, desto geringer ist der Umsatz je Lager. Das Gesamtvolumen bleibt somit konstant. Zusätzlich zu diesen Logistikkosten können kalkulatorische Kosten in Form von Fehlmengenkosten einbezogen werden. Sie sinken tendenziell mit zunehmender Anzahl der Lager. Mit sinkender Anzahl der Lager hingegen gewinnt die Standortwahl an Bedeutung, da Kostennachteile suboptimaler Lagerstandorte nicht durch Belieferungen aus anderen Lagern ausgeglichen werden können [2].
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Bestandskosten
Die Bestandskosten steigen mit der Anzahl der Lager an. Denn der durchschnittliche Lagerbestand Lagerbestand zur Gewährleistung einer vorgegebenen Lieferbereitschaft Lieferbereitschaft in einem Markt ist umso größer, je höher die Anzahl der Lager ist, an denen Bestände zur Belieferung des Marktes vorgehalten werden. Die Ursache für diesen Effekt sind primär die Sicherheitsbestände jedes einzelnen Lagers [1].
Lagerhauskosten
Die Lagerhauskosten steigen mit der Anzahl der Lager an, da mehr Lagerhäuser gebaut, unterhalten bzw. gemietet werden müssen. Der Kostenanstieg wird jedoch aufgrund von Erfahrungs- und Größenvorteilen unterproportional verlaufen. Die Lagerhauskosten eines Lagers sinken deshalb mit zunehmender Zentralisierung, da man bei größerem Lagerdurchsatz bis zu einem gewissen Umfang Größendegressionseffekte erzielen kann.
Außerdem lassen sich die Vorteile der Automatisierung und höher qualifizierter Arbeitskräfte im Allgemeinen erst ab einer gewissen Lagergröße ausnutzen [1].
Transportkosten
Die Transportkosten werden zunächst mit steigender Anzahl von Lagerhäusern eher fallen, da die Auslieferungskosten aufgrund kürzerer Entfernungen zu den Kunden sinken. Die Auslieferungskosten an die Kunden steigen daher mit zunehmender Zentralisierung tendenziell, da die durchschnittliche Entfernung zwischen den Lagern und den Kunden größer wird.
Andererseits steigen mit zunehmender Anzahl von Lagerhäusern die Transportkosten zur Versorgung der Lagerhäuser an, da vergleichsweise kleine Mengen über weite Strecken transportiert werden müssen. Die Belieferungs- bzw. Versorgungskosten eines Lagers sinken deshalb mit zunehmender Zentralisierung, da die Beschaffungsvolumina eines Lagers ansteigen und somit Größendegressionseffekte ausgenutzt werden können [1].
Literatur-Empfehlungen
Logistikmanagement | Pfohl 2004
Strategic Logistics Management | Stock / Lambert 2001
European Distribution Report 2006 | Cushman & Wakefield 2006
Quellen
[1] Logistikmanagement | Pfohl 2004
[2] Strategic Logistics Management | Stock / Lambert 2001




